Silk Sonic + Bootsy Collins
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Silk Sonic – „An Evening With Silk Sonic“: Track by Track Review

Bruno Mars und Anderson.Paak haben unter dem Namen Silk Sonic mit ihrem Album An Evening With Silk Sonic Ende 2021 für ordentlich Furore gesorgt. Nach einem ersten Jubel über viel Soul, R’n’B und Hip-Hop hört sich unsere Redaktion die Songs noch einmal genauer an. 

Auf ein Album, das so hochgelobt wird, lohnt nach einigen Wochen ein zweiter Blick. Miri und Caro aus unserer Redaktion widmen sich in diesem Track by Track Review dem gemeinsamen Werk von Anderson.Paak & Bruno Mars. Jeder Song wird genauestens durchleuchtet oder einfach nur kurz kritisch betrachtet. 

1. Silk Sonic Intro

Miri: „Das Album startet mit einem energiegeladenen und groovigen Einstieg aus Chor, Drums, Bass, Bläsern und Gitarre mit Wah Wah Effekt, der auf diesem Album häufig zum Einsatz kommt – lieben wir. Der Song erinnert mich von der Soundkulisse an Earth, Wind & Fire oder Curtis Mayfield. Bootsy Collins, Bassist von James Brown und Parliament-Funkadelic als Host des Albums aufzunehmen ist klasse. Wer Bootsy kennt wird hier bereits ahnen, dass es ein Soul- und Funk-Album voller toller Arrangements werden könnte.“

Caro: „Auf jeden Fall ein guter Einstieg. Es wird ordentlich Spannung erzeugt und die Vorfreude gesteigert. Gleichzeitig frag ich mich: Kann der Bogen bis zum Ende gehalten  werden oder fällt der Drumstick von Anderson.Paak nach der Hälfte in die Belanglosigkeit der ewigen Wiederholungen? Wir werden sehen.“

2. Leave The Door Open

Caro: „Yeah, was für eine Single! Zum x-ten Mal schwanke ich zwischen “Pop-Kitsch” & “OhYeah-Danke”-Gefühl. Einfach immer wieder gut wie ein Song begeistern kann. Ich weiß noch als im März 2021 dieser Song herauskam und wir alle zwischen Lockdown-Quarantäne und Winterdepression dahinschmolzen. Schon ein kleines Meisterstück, das da in Audio und Video umgesetzt wurde. Das Quasi-Duett zwischen Bruno Mars und Anderson.Paak berührt mich immer wieder, da es so unfassbar gut komponiert ist. Motown-like halt.“

Miri: „Die erste Single Auskopplung, die mir 2021 direkt ins Ohr ging. Schon damals fand ich, dass Anderson.Paak und  Bruno Mars sehr gut miteinander harmonieren. Der Song hat ein sehr schönes Arrangement und tolle Harmonien. Das Sounddesign der Band erinnert durch die Bläser, Chöre, Streichorchester und Glockenspiel sehr an Motown. Fun Fact: Der Gitarreneffekt aus Wah in Kombination mit Delay und Reverb bei 1:13 Min ist eine Hommage an Melvin Ragin aka Wah Wah Watson. Sein charakteristisches Gitarrenspiel war durch den Einsatz des Wah Wah Pedals gekennzeichnet. Er spielte unter anderem für die Temptations (Papa Was A Rolling Stone) und Marvin Gaye (Let’s Get It On).“

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3. Fly As Me

Miri: Ein klassischer Soulsong, der von dem Gitarrengroove lebt. Die Gitarre orientiert sich dabei musikalisch an James Brown, jede Phrase wird mit einem “Wah Wah Teil” beendet. Der Song klingt ziemlich lässig und cool.“

Caro: „Klassischer Soul? In meiner Plattensammlung steht der Song eher in der Hip-Hop Ecke. Aber du hast recht, ein mega cooler Basslauf. Habt ihr in den 90er auch versucht selber zu rappen? Ja, Nein, Jein? Ah ich vergesse immer, dass du in den 90ern ganz anders unterwegs warst… Okay, ich habe das schnelle Texten zu Musik auch damals lieber den Profis überlassen und bin auf der Tanzfläche abgegangen. War schon cool, als wir uns damals stundenlang zu Musik verrenkt haben und verschwitzt heimgingen. Natürlich in  viel zu weiten Klamotten, um extra cool zu wirken.“

4. After Last Night (with Thundercat & Bootsy Collins)

Caro: „Mmh, ich erinnere mich grad sehr an meine krasse R’n’B Zeit. Viel Mary J. Blige (schönes neues Album btw.), aber auch Janet, JLO und Christina Aguilera, Busta Rhymes, Tupac und wie sie alle heißen. Die Einwürfe von Bootsy passen und machen die Nummer rund. Gesamt betrachtet nicht ungewöhnlich, haut mich aber nicht ganz vom Sofa.“

Miri: „Der Song erinnert an die Solosachen von Bootsy Collins: Unzählige übereinander gelegte  Bassspuren mit vielen Effekten. Er streut immer mal wieder Aussagen ein, absolut typisch für ihn. Thundercat ist da eine tolle Ergänzung! Von der musikalischen Ausgestaltung her erinnert mich der Song an „Redbone“ von Childish Gambino.“

5. Smokin Out The Window

Miri: Mir gefällt der Song. Er hat einen tollen Bassgroove und man kann der Struktur leicht folgen. Die Gesangsharmonien sind toll gesetzt.“

Caro:Ja, ein einfach aufgebauter Song. Schönes Storytelling über ein gebrochenes Herz. Ich bin zwar immer noch der Meinung, dass eine Frau, die einen Mann verlassen hat, nicht automatisch eine Bitch ist, aber wer weiß, wieviel Brillies sie sich hat vorher schenken lassen – höhö. Das Bild des voller Selbstmitleid am Fenster hockenden Brunos finde ich sweet.“

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6. Put On A Smile

Miri: „Eine Ballade, wie man sie vom Schnulzen-Balladen-Maestro Bruno kennt. Sie hat hier und da ein paar ungewöhnliche Wendungen, haut mich aber nicht um.“

Caro: „Jupp, same here.  #skipundweiter.“

7. 777

Caro: „Ich sag mal: Laut aufdrehen und funky durch die Gegend tanzen!. Habt ihr mal in einem Club über eine halbe Stunde nur zu James Brown getanzt? Ha, ich garantiere unbändigen Spaß und tagelangen Muskelkater überall! Danke geht raus an den DJ im Grünen Salon in einer legendären Partynacht in der Hauptstadt, ca.1996.“

Miri: „Dieser Song ist eine Hommage an James Brown und Jackson 5. Ein solider Funk-Groove aus Drums und Gitarre mit Hip-Hop Charakter.“

8. Skate

Miri: „Ein toller und sehr stimmiger Soul-Pop Song, bei dem von Text über Melodie und Arrangement einfach alles passt.“

Caro: Oh boys, you make me smile once again. Wunderbar. Auch wieder so ein Single-Release, der Freude macht. Passend zum Retrotrend und Rollerskating Revival DER Song für den Sommer 2021, der auch 2022 gilt. Reicht für mich nicht an „Leave The Door Open“ ran, ist aber ähnlich gut.“

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9. Blast Off

Miri: „Mit dem letzten Song bringen sie das Album mit einem Kuschelsong in 90er / 00er Jahre R’n’B Manier zu Ende. Tolles Arrangement und Harmonien – kennen wir bereits. Hier gibt’s tatsächlich mal ein Gitarrensolo auf die Ohren, I like!“

Caro: „Mmh. Echt jetzt, der letzte Song? Wieder Temptations, Kuschelrock und eins a Arrangements. Bevor ich das Album mit diesem Schmusesong etwas enttäuscht schließe, kommt wirklich das von Miri geschätzte Gitarrensolo und versöhnt mich. Und dann kriegen die beiden Virtuosen mich doch nochmal am Ende mit dem endlosen Chorus und den  aufsteigenden Akkorden. Wunderschön und herrlich kitschig.“

Silk Sonic by Harper Smith
Silk Sonic by Harper Smith

10. Unser Fazit

Caro: „Abschließend sag ich: Danke für eine gute halbe Stunde souliger Pop mit Funk und Hip-Hop Facetten, die gut in Ohr und die Beine gehen. Was die beiden Musiker unter Silk Sonic veröffentlicht haben, ist ebenso brillant, wie vorhersehbar. So spiegelt diese Album in seiner Gänze auch unser Hörverhalten und unseren Musikgenuss wieder, wie vielleicht kein zweites aktuell. Es ist kurzweilig und auf die Fans perfekt zugeschnitten. Es tut gut, aber ab und an zu wenig weh. Es berührt kurz, hinterlässt aber keine bleibenden Spuren auf dem Plattenteller. Denn alles was wir hören kennen wir bereits.“

„Für mich ist „An Evening With Silk Sonic“ ein wenig eine Reise in die Vergangenheit. Back to the good ol 90s / beginnende 00er Jahre mit der großen Packung Motown. Zuckerstaub, statt schwerer Zuckerguss, Tanzen und dann den Bass laut aufdrehen! Ich mag´s auch wenn es mich nicht umhaut.“

Miri: „Die Kombination von Bruno Mars und Anderson.Paak funktioniert sehr gut. Bruno Mars, der eigentlich Popmusik macht, aber in den letzten Alben sein Faible für Soul und Funk offenbarte und Anderson.Paak, der eher aus dem Funk und Hip Hop Bereich kommt, ergänzen sich hier toll. Sie erfinden zwar das Rad nicht neu, aber binden die Elemente aus dem Soul und Funk der 60er bis 00er Jahre gekonnt in ihre Musik ein. Bootsy Collins als Host zu wählen macht es authentisch und witzig zugleich. Ihr Album behandelt die Themen der Liebe, Beziehung, Trennung und Selbstdarstellung und übertragen damit Themen vieler Soulsongs in die heutige Zeit. Sie mischen alten Sound mit neuen Inhalten. Die Funk- und Soulmusik ist zwar poppig produziert, wird so allerdings auch einem breiten Publikum zugänglich gemacht.“

„Leider geht hier etwas der Grundgedanke der Musikrichtungen verloren. Soul und Funk hat einen starken politischen Bezug, was insbesondere aus den Songs hervorgeht, die im Zuge der Bürgerrechtsbewegung in den USA der 60er Jahre entstanden. Auf dem Album werden die Musikstile genutzt, um Tanzmusik zu machen und eine glattgebügelte Popversion zu präsentieren. Aber dazu kann man stehen, wie man möchte.“

Wir hatten auf jeden Fall unseren Spaß mit dem Album und dem intensiven gemeinsamen Deep-Dive in die Stücke. Wie gefällt euch das Album?

Fotocredits:

Titelbild by Atlantic Records