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Lake Street Dive setzen mit ‚Obviously‘ auf Genre-Vielfalt

Die fünf-köpfige Pop-Rock-Soul- und RnB-Band Lake Street Dive aus Boston veröffentlichte am 12. März ihr neues Album Obviously. Für ihr viertes Studioalbum holten sie sich den Produzenten und Songwriter Mike Elizondo ins Boot, der bereits mit Künstlern wie Dr. Dre, 50 Cent und 21 Pilots zusammenarbeitete. Elizondo versteht es, sich an Genres wie Jazz, Rock, Hip-Hop und Bluegrass zu bedienen. Ich war also gespannt, wie das neue Album Obviously von Lake Street Dive klingt. Also habe ich es von vorne bis hinten durchgehört und schildere euch hier meine Eindrücke.

Gelungener Einstieg

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Im Opener Track Hypotheticals sind die Einflüsse des Hip-Hop Produzenten Elizondo eindeutig hörbar: Eine Vielzahl übereinander gelegter Synthesizer in Kombination mit Keyboard und Becken erschaffen einen fast orchestral anmutenden Klangteppich. Dieser entlädt sich nach 40-sekündigem Intro in einen groovigen und energiegeladenen Song. Die Strophe überzeugt mit aufeinander abgestimmten, akzentuierten Vocals und Drums. Gitarrenakkorde sind zurückgestellt, gespielt werden vornehmlich auf dem Groove basierenden Single Notes. Im Refrain wird diese Struktur von der Gitarre mit dezenten Akkorden aufgebrochen. Hypotheticals ist ein guter Einstiegssong, der Elemente des Souls und Hip-Hop gekonnt verbindet und Lust macht auf mehr.

Viele Genres zeigen wenig Neues

Beim zweiten Song Hush Money springt mir die Facettenhaftigkeit der Band ins Ohr. Es erklingt eine Blues-Nummer mit stapfendem Rhythmus und verzerrter Gitarre. Zwar lässt der Song zu Beginn meinen Kopf mitnicken, insgesamt hat er aber nichts Aufregendes an sich und so lasse ich ihn an mir vorbeiziehen.

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Same Old News bringt schließlich den souligen Vibe zurück. Der Song wird als „lighthearted and sexy Roberta Flack/Donny Hathaway-style duet“ beschrieben und bringt frischen Wind in das Album. Das Highlight des Stückes ist ein Gitarrensolo in Form einer Mundharmonika-Imitation. Hammer!

Die nachfolgenden zwei Songs sind klassische Pop-Rock Nummern, die sich musikalisch leider kaum abheben. Auch der sechste Song Nobody’s Stopping You Now kommt im poppigen Gewand daher und kann mich, trotz relativ eingängiger Melodie, auch nicht abholen.

Know That I Know verleiht der Platte endlich wieder etwas Schwung – hauptsächlich durch die groovige musikalische Begleitung und funky Gitarre. Melodisch erinnert der Song eher an eine Pop-Nummer. Ist ganz nett.

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Lackluster Lover beginnt sehr groovelastig. Die restliche Instrumentation, allen voran die stark verzerrte Gitarre á la Gary Clark Jr. und Synthesizer im Hintergrund, funktioniert gut zusammen. Leider fehlt es dem Song an einem ausdrucksstarken Refrain. Schade, hier wurde viel Potenzial verschenkt.

Mit Anymore wagt sich die Band wieder in die Bereiche der elektronischen Musik vor. Das Resultat erinnert stark an Marvin Gaye‘s Song Sexual Healing und wirkt abgesehen davon eher uninspiriert und langweilig.

Der vorletzte Song Feels Like The Last Time startet als akustische Nummer mit einer Beat Box Einlage. Die Chöre sind sehr gelungen, leider zieht sich der Song durch den ausgesungenen Lead-Gesang zu sehr in die Länge. Das Album wird schließlich durch den Acapella Song Sarah abgeschlossen. Der Lead-Gesang wird durch einen Vocoder gedoppelt. Zwar ist die Chorbegleitung auch hier gut umgesetzt, die Melodie führt aber leider ins Nichts.

Verschenktes Potenzial

Obviously setzte meine Erwartungen aufgrund des Produzenten Mike Elizondo hoch an. Leider bin ich vom Endergebnis ziemlich enttäuscht. Ich habe mich auf elektronisch lastige Beats mit funky Gitarre und Chören gefreut. Die erste Nummer hat dies gut aufgegriffen, doch leider konnte dieses Niveau nicht gehalten werden.

Auf mich wirkt es so, als hätte die Band das vielversprechende Potenzial des neuen Produzenten auf Kosten ihrer vermeintlichen Genre-Vielseitigkeit verschenkt. Durch die meist halbgaren Songs entsteht der Eindruck, als würde die Band im Laufe des Albums nach ihrem eigenen Sound suchen. Zwar wird der Einheitsbrei durch ein paar Uptempo Nummern und eine schöne Ballade aufgebrochen, doch insgesamt ist das Album eher mäßig. Für Fans mag Obviously vielleicht spannende Facetten der Band aufzeigen. Neueinsteigern empfehle ich aber, in frühere Alben rein zu hören.

Mehr über Lake Street Dive erfahrt auf ihrer Homepage, Facebookseite, bei Instagram und YouTube. Alle Songs der Band findet ihr auf Spotify.

Fotocredits: Shervin Lainez

Ein Gedanke zu „Lake Street Dive setzen mit ‚Obviously‘ auf Genre-Vielfalt“

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