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Rückblick Operation Ton 2022 – mit Wissen durch die Krise 

Nach der diesjährigen Operation Ton brauchte es etwas mehr Zeit, um alle Eindrücke zu verarbeiten und den rauchenden Kopf abzukühlen. Während inzwischen vielerorts neue Ideen umgesetzt werden,  gibt es hier den Rückblick aus Sicht der Teilnehmer:innen vor und auf den Bühnen. Wie war es und wie geht es weiter, nach der Konferenz, die zur Mitgestaltung der Zukunft der Musikbranche eingeladen hatte?

Am 04. und 05. November 2022 haben zahlreiche Besucher:innen den Panel-Talks gelauscht, in Konzerten getanzt und Einzel-Sessions für Beratungen und Wissensaufbau genutzt. Das Programm zu dem RockCity Hamburg wieder eingeladen hatte, ging weit über den Bereich der Musik-Kreation hinaus. Die umfangreichen Diskussionen über AI, VR, Social Media aber auch Urheberrecht zeigten: Musikmachen hört schon lange nicht mehr im Tonstudio auf. 

Immer spürbar der starke Einfluss der Corona Krise und des Krieges in der Ukraine, die zusätzlich zu der fortschreitenden Digitalisierung die Kreativschaffenden vor teilweise unlösbare Probleme stellen. Kultursenator Carsten Brosda wies zwar in seiner Begrüßungsrede darauf hin, dass man heute eher von Herausforderungen als von Problemen spricht, dennoch sind diese überall präsent.

Unterstützung zur Überwindung von Herausforderungen und für den Erfolg kann finanzieller Hilfen sein.  Förderungen daher sind ein wichtiger Bestandteil der Kreativbranchen. Dies verdeutlichte auch Neus López im Panel “Audio Poverty and Music Future”. Sie leitet bei der Initiative Musik den Bereich der Export- und Strukturförderung und berichtete, dass die Budgets in den vergangenen Monaten aufgestockt wurden. Hierdurch konnten zunehmend neuer Musikprojekte umgesetzt werden, was auch im MUSICSPOTS Postfach spürbar ist. Dennoch ist aus meiner Sicht der Release eines Werkes noch kein Garant für den Erfolg oder die Schaffung einer Existenzgrundlage. 

Lin Chen Opening Operation Ton, Credit Laura Müller

Musikerin Charlotte Brandi ging sogar noch einen Schritt weiter. Sie stellte warnend fest, dass Förderungen nun scheinbar den Platz von physischen Einnahmen einnehmen. Sie forderte eine fairere Verteilung von Streaming-Einnahmen an Künstlerinnen. Ein Cent pro Stream wäre hier schon ausreichend, da es das Vielfache des aktuellen Payouts darstellt.

Neue Möglichkeiten dank Digitalisierung

Ein Beispiel für internationale Zusammenarbeit, die auch branchenübergreifend funktioniert, durften wir mit FUTURE FEMALE AFRICA (FFA) präsentieren. Der Austausch  zwischen den Sheros hat in den vergangenen Monaten zu zahlreichen großartigen Projekten geführt. Als Panelteilnehmerin war es auch für mich wieder beeindruckend zu sehen, wie fließend und einfach die Kommunikation sein kann. Der Dialog mit den zugeschalteten Sheros wurde wie selbstverständlich im Resonanzraum Hamburg angenommen. Durch den täglichen Einsatz von Videokonferenzen und Cloud-Lösungen geprägt, spielen örtliche Distanzen oder verschiedene Zeitzonen kaum noch eine Rolle.

FUTURE FEMALE AFRICA by Laura Müller

Onejiru Arfmann, Gründerin von FFA, Aktivistin und Musikerin sagte rückblickend: „Der regelmäßig stattfindenden enge Austausch  mit Frauen aus dem Musik-, Event-, Medien- und Wirtschaftsbereich macht uns schneller in der Umsetzung neuer Projekte. Wir sind nicht nur sichtbar, sondern lernen täglich von- und miteinander.”

Operation Ton Teilnehmer:innen Feedback

Der zweite Tag bot neben weiteren spannenden Podiumsdiskussionen die Möglichkeit, sich Tipps direkt von Expert:innen zu holen. In Einzel-Sessions zum Booking, Schreiben von Bandinfos oder einer Soundcheck-Session konnten Musikschaffende ihren Handwerkskoffer auffüllen. 30 Minuten sind zwar kurz, boten aber für viele einen guten Einblick in die Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit Expert:innen. Gemeinsam mit Birgit Reuther und Sascha Krüger durfte ich Teil des Bandinfo-Check-Teams sein. Gemeinsam haben wir aus Sicht der Musikjournalist:innen Feedback und Vorschläge zur Verbesserung von Bandinfos gegeben. 

Saskia Rienth-Hinkelmann ist im Artist Branding und als Mediencoach aktiv und hat den Artist Check angeboten. Rückblickend sagt sie: „Gerade nach den letzten pandemiegeplagten drei Jahren war die Operation Ton ein wahrer Segen für alle Musikschaffenden.  Endlich mal wieder persönlicher Austausch, spannender Input und bereichernde Beratungsangebote, die perfekt auf die Musiker:innen zugeschnitten waren.  In meinem Artist-Check-Up kamen immer wieder Fragen zur Ausrichtung auf. Wie kann ich mein Profil schärfen? Für was stehen wir eigentlich? In Zeiten von DIY und Social Media sind das essentielle Fragen. Musiker:innen sind (zu recht) verunsichert, wenn sie nicht klar positioniert sind.  Denn dann fällt kommunizieren noch schwerer. Wir konnten einige Hürden und Fragezeichen aus dem Weg räumen, sodass die Musikschaffenden nun motiviert und voller Impulse die nächsten Schritte gehen können.“

Operation Ton, Session mit Caro Schwarz, Foto Laura Müller

Unter den Teilnehmenden war auch Nick March. Der Musiker konnte den Termin zur Operation Ton 2022 kaum erwarten. Seine Karte lag schon seit 2,5 Jahren bereit. „Die Konferenz war bunt, vielfältig und inspirierend. Nach langer Zeit bot ein Event endlich Mal wieder die Möglichkeit, alte Kolleg:innen zu treffen, aber auch neue Leute und Acts kennenzulernen. Die Fülle an Informationen und Angeboten erschlug mich fast. Das Beste,“ so teilte er uns mit,„war der Workshop von Biggy Pop!“

Unter den Gästen war auch  Musiker Tim Neuhaus, der erst in den Sessions zum Soundcheck lud und später selber Panel-Gast war. Rückblickend sagte er: “Das diesjährige Panel hat mich motiviert, wieder viel mehr nachzufragen, wenn ich für den nächsten professionellen Schritt an meiner Seite brauche. Viele Unsicherheiten konnten beiseite geräumt werden, und durch den regen Austausch zwischen Menschen aus unterschiedlichen Disziplinen konnten Lösungsansätze diskutiert werden. Ich sehe wieder etwas klarer durch den Besuch bei Operation Ton.”

Operation Ton 2022 by Laura Mueller

Johann Seuthe, der mit seinem Kollegen Adrian Laza gerade die erste Veröffentlichung für das Bandprojekt Moonplayers vorbereitet, sagte rückblickend: “Die Operation Ton war für mich die geballte Ladung Wissen über Popkultur. Alle wichtigen Themen der Gegenwart und Zukunft wurden hier in hoch interessanten Debatten kontrovers diskutiert. Ein Muss für alle Freunde der Pop Musik! Nächstes Jahr gerne wieder!”

Moyo Ray,  dieses Jahr mit dem Krach + Getöse Award ausgezeichnet wurden war, besuchte die Operation Ton zum ersten Mal. “Sobald ich angekommen war, habe ich viele bekannte Gesichter entdeckt,” sagte sie. “Sowohl Leute denen ich schon mal begegnet bin, als auch Leute, mit denen ich bisher nur über Social Media in Kontakt war. Besonders den vielen verschiedenen Menschen im echten Leben zu begegnen und sich auszutauschen war schön. Ich hatte das Gefühl, am richtigen Ort zu sein. Am schönsten fand ich den Talk von Finna mit Kaleo Sansa. Ich habe mich in vielen Punkten, über die die beiden gesprochen haben, wieder erkannt. Das hat mir Mut gemacht, auf dem richtigen Weg zu sein.”

Mit einem Blick auf das Abendprogramm am Freitag schließe ich den Rückblick der Operation Ton 2022. Die Auftritte von Onejiru und Kaleo Sansaa gehören zu den Jahreshighlights 2022. Unfassbar gut war auch die Performance von Schlagzeugerin Lin Chen, die uns im Grand Opening wach rüttelte und unsere Köpfe für Neues öffnete.

Abschliessend möchte ich diesen Rückblick mit einem passenden Feedback von Tim Neuhaus: „Unser Beruf als Kreativschaffende hat sich verändert. Die Operation Ton bietet den Raum sich darüber auszutauschen. Sie bietet Hilfestellung und sinnvolle Vernetzung von Menschen aus unterschiedlichen Disziplinen rund um unseren Beruf.“

Somit freuen wir uns auf das kommende Jahr, wenn wir uns hoffentlich wieder alle im Resonanzraum versammeln, Wissen tanken, Erfahrung austauschen und neue Ideen entwickeln.

Mehr über die Operation Ton erfahrt ihr auch bei Instagram.

Fotocredit by Laura Müller

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