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Mona M spricht über ihr neues Album „Frida“: Ein leidenschaftliches Interview

Heute, am 10. Mai 2024 ist es so weit: Mona M veröffentlicht ihr lang erwartetes Album Frida. Passend zur Veröffentlichung durften wir in einem exklusiven Interview tiefer in die Welt der Künstlerin eintauchen, die uns mit ihren kraftvollen Texten und tiefgründigen Melodien einmal mehr in ihren Bann zieht.

Das Album Frida ist eine Hommage an die Kraft und den Trotz, die Mona M in ihrer Musik so leidenschaftlich zum Ausdruck bringt. Sie spricht von einer Wut, die sie antreibt, eine Wut gegen Ungerechtigkeit und für Liebe – eine Energie, die sich durch das gesamte Album zieht und schon im Intro Frida – Lied von Liebe kraftvoll entlädt. Mona M beschreibt, wie persönliche Erfahrungen, darunter auch ihre eigene Scheidung und die Einsamkeit der Corona-Zeit, ihre Musik geprägt haben.



Mona M Frida

Andreas: Der Einstieg in das Album, also Frida – Lied von Liebe, ist so unfassbar kraftvoll. Woher kommt diese Wut, die ich schon im Intro spüre?

Mona M: Ganz viel Weltschmerz, ganz viel Wut. Ich bin von Haus aus sehr trotzig. Ich komme auch aus einem Haushalt, wo ein ganz eigenes Wertesystem geherrscht hat, ein sehr gesundes Wertesystem. Viele Künstler*innen sind bei uns ein- und ausgegangen. Individuen, die ihre eigenen Wege gesucht haben, aber immer authentisch waren. Wenn Du nett warst, warst du in Ordnung. Dann bist du akzeptiert, gehörst dazu und darfst auch Fehler machen. Dieses Wertesystem kollidiert leider so oft mit dem Gefühl, dass gerade draußen in der Welt herrscht.

Andreas: Trotzdem löst sich diese Wut, die fast in Schreien endet, in Liebe und Hoffnung auf. Wo holst du die her?

Mona M: Aber die haben wir doch alle, oder?

Andreas: Bei manchen zweifelt man momentan eher daran.

Mona M: Ich glaube, das ist das, was uns verbindet, dass wir die alle in uns haben. Ich glaube, dass ein paar Dinge angeboren sind. Und das sind Empathie oder auch Selbstvertrauen.  Ich sage mir immer, dass hinter den grauesten Wolken ein blauer Himmel wartet und das ist die Liebe. Ich versuche diese Liebe für mich zu benutzen und zu halten, denn damit sind wir auf die Welt gekommen. Jetzt mal im Ernst, wenn wir das verlieren, dann brauchen wir auch nicht unter Menschen zu sein, oder?

Andreas: Du hast auch mit anderen Künstlerinnen an diesem Album gearbeitet. Wie habt ihr euch gefunden?

Mona M: Ja, ich hatte das Glück, mit unglaublich talentierten Musikerinnen zusammenzuarbeiten, z.B. mit Rodovid, einem ukrainischen Frauenchor. Ich wollte unbedingt Folklore auf dem Album haben, damit diese Tradition des Geschichten erzählen repräsentiert ist. Ich habe gesucht und gesucht und niemanden gefunden. Und dann war das Album schon fertig, die Chöre auf dem Album hatte ich selber eingesungen. Und genau dann habe ich die Mädels über einen Freund kennengelernt. Ein Geschenk genau zur richtigen Zeit

Andreas: Was für ein Glück. Wer aber auch perfekt passt, ist dein Girl Squad. Wie seid ihr zusammengekommen?

Mona M: Ich liebe die Geschichte. Also es sind ja drei Mädels. Als erstes kam Camila dazu, meine beste Freundin und meine Kapitänin, die mich selbst durch die stürmischsten Wellen schippert und dabei immer ruhig bleibt. Lioba habe ich auf einer Party kennengelernt. Sie muss man einfach fragen, ob sie mitsingt. Sie hat schon beim letzten Album Antiheld die Chöre eingesungen. Ich wollte noch eine weitere Stimme dazu haben und da es noch schöner ist, wenn sich die Sängerinnen kennen und vertrauen, hat Lioba Mary Ann ins Spiel gebracht. Also alles eine glückliche Fügung.

Andreas: Bei Ich werd die Liebe nicht los ist aber eine neue Stimme dabei, rauchig und wie ein Reibeisen. Wer ist das?

Mona M: Heidi aus Heide. Was für eine Frau. Wir haben uns bei einer Session in einem kleinen Café in Heide kennengelernt. Ich saß am Klavier, es war nur wenig Publikum da und Heidi saß im Publikum. Aufgefallen ist sie mir bei Songs wie Elisabeth, der ja schon derbe Scherze und bitteren Humor enthält und dann kommt von der Seite so ein dreckiges Lachen. Das war Heidi. Diese Frau musste ich einfach kennenlernen. Und weißt du was? Sie ist Profimusiker und Profipunkerin mit eigenem Tonstudio, sie musste einfach aufs Album.

Andreas: Mein Lieblingslied ist Ich hol mir die Stadt zurück. Also ich liebe den Bass und diesen Rhythmus. Und sobald er losgeht, muss ich einfach bouncen. Aber an wen haben wir denn die Stadt verloren und wie verdammt konnte es dazu kommen?

Mona M: Also ich bin jetzt bei dir ein bisschen ehrlich. Ich war frisch geschieden. Ich hatte echt Angst, in manche Straßen zu gehen, um meiner Ex nicht zu begegnen. Es war eine sehr körperliche Trennung, als ob man mir einen Körperteil abgerissen hätte. Irgendwann habe ich bemerkt, dass es gar nicht nur darum geht, sondern etwas viel größeres ist. Wieso traue ich mich dies nicht, oder das nicht? Was ist aus der Tradition des Geschichten erzählen geworden? Die Kraft die damit weitergeben wurde?

Deshalb ist es so ein feministischer Song geworden. Also ich finde, was uns genommen wurde,  ist die Flüssigkeit zwischen den Geschlechterpolen. Diese ganzen Klischees, was ist weiblich, was ist männlich? Als Cis-Frau habe ich oft das Gefühl, man traut mir einen ordentlichen Kampf nicht zu. Gerade mich, als Alpha-Persönchen, trifft das besonders. Es geht um Rollenbilder, die uns in Käfige einsperren und zwar wahrscheinlich jede Person und sogar global, weißt du. Es gibt ja diese Probleme auf der ganzen Welt.

Andreas: Das habe ich auch total gefühlt, das ist ja auch mein persönlicher Struggle. Ich glaube, deswegen ist das auch mein Lieblingslied. Wenn ich den Song höre, denk ich: Jetzt erkämpfe ich mir meine fucking Stadt wieder zurück.

Mona M: Genau, genau. Und du weißt ja, die Magie ist, je mehr Leute sich das sagen, desto freier leben wir alle in zwei drei Generationen. Nur, dass es auch einfach in manchen Gegenden nicht möglich ist. Das ist mir klar. Ich hab aber gemerkt, ich kann es machen. Ich bin da, weißt du? Und warum sollte ich es nicht machen? Und ich mach’s immer mehr, Stück für Stück. Ich hole mir das so zurück, mit meiner Musik.

Andreas: Was sind deine Pläne für die Zukunft mit dem Album? Wirst du auf Tour gehen?

Mona M: Ey, ich würde so gerne, also wir alle würden so gerne. Wir haben ja inzwischen auch Lyyla am Bass und Katha an den Drums und sind echt eine stabile Combo jetzt, aber wir haben tatsächlich einfach Probleme gebucht zu werden. Indie-Künstler*innen sind halt nicht so leicht verdaulich für die Hörgewohnheiten wie kommerzielle Künstler*innen. Wir ecken an, zeigen keine heile Welt, sondern stecken den Finger auch noch in die Wunden. Vielleicht ist das für einige im Moment auch einfach zu viel. Außerdem mussten leider viele kleine Clubs, die an unsere Musik glauben, während Corona schließen und es kam kein Ersatz nach. Aber wir spielen dort, wo man uns lässt.

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Andreas: Und nun zur letzten Frage: Mit wem würdest du gerne mal ein Feature machen. Du hast die freie Wahl, tot oder lebendig.

Mona M: Das ist so schwer. Tot oder lebendig? Oh Gott, du machst mich fertig. hm… Paolo Nutini. Ja, bei dem würde ich nicht denken, ich kann gar nichts, wenn ich neben ihm sitze. Anders als bei Whitney Houston, an die ich zuerst gedacht habe. *lach*

Frida verspricht also nicht nur ein musikalisches Highlight zu werden, sondern auch ein Statement, das zeigt, wie tief Musik berühren und bewegen kann. Es ist ein Album, das nicht nur gehört, sondern gefühlt werden möchte.

Streamt das Album und erlebt Mona M in ihrer vielleicht intensivsten und ehrlichsten Form. Ein Album, das nicht nur die Landschaft der modernen Musik bereichert, sondern auch tiefgreifende Fragen über Liebe, Wut und menschliche Resilienz stellt.

Danke Mona M für dieses intensive und ehrliche Interview. Ich hoffe, dich bald wieder mal live erleben zu können.

Fotocredits: T. Gradert, Kevin Peplinsky

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