De-Phazz_BWM_CoverÜberpünktlich zum Start in den Sommer haben De-Phazz im Mai ihr neues Album Black White Mono herausgebracht. Das neue Werk klingt für mich einfach typisch nach De-Phazz. Es erinnert an die ersten Alben vor 20 Jahren. Sanfte jazzige Klänge, soulige Beats und ab und an ein versteckter Seitenhieb im Text, wie man es von De-Phazz so liebt. Im Interview plaudert Singer- und Songwriterin Pat Appleton mir mir über die Entstehung des neuen Albums und wir begeben uns ein wenig auf die Reise durch die 20-jährige De-Phazz Musikgeschichte.

Berlin Kreuzberg, die Sonne steht tief, die Cafés sind zum Feierabend gut gefüllt. Wir haben es dennoch geschafft, eine ruhige Ecke in einer kleinen Bar zu finden. „Berlin ist in den vergangen Jahren merklich voller geworden“, merkt Pat Appleton an. Neben uns rumpelt die städtische Müllabfuhr vorbei und ein Pärchen wirft sich verliebt zum Abschied eine Kusshand zu. Lachend ergänzt sie: „All das hier um uns herum ist Berlin. Alles passiert gleichzeitig, führt aber auch zu mehr Hektik.“ Sie seufzt ein wenig wehmütig, lacht dann aber wieder. Pat Appleton ist ein Profi im Musikbusiness ohne es nach außen zu kehren. Mit 30 Jahren Bühnenerfahrung und seit Anfang an bei De-Phazz dabei, hat sie jede Menge spannende Geschichten zu erzählen. Doch heute soll es ja um das neue Album gehen.

Black White Mono – 20 Jahre De-Phazz Sound vereint

Musicspots:Bevor wir zum neuen Album kommen, lass uns nochmal zurückschauen. 20 Jahre De-Phazz, was hat sich verändert?
Pat Appleton: Wir waren anfangs in Deutschland sehr gehyped. Die Nachfrage nach Loungemusik und chilligen Sounds war da. 2002 kam plötzlich der Bruch. Es hieß, man brauche keinen Easy-Listening Sound mehr. Rockbands waren gefragt. Was man dabei vergessen hat war, dass die Menschen zwischendurch auch mal abschalten müssen. Immer nur Tempo geht nicht. Besonders jetzt merkt man das. Alle sind gereizt, schreien sich an und kommen kaum noch herunter. Man wird einfach überall beschallt. Die Hörgewohnheiten der Menschen haben sich völlig verändert und De-Phazz war nicht mehr so gefragt.

Musicspots: Wie habt ihr auf die geänderten Hörgewohnheiten der Fans reagiert?

Pat Appleton:Wir haben natürlich weiterhin Alben produziert, aber die große Nachfrage, wie in den ersten Jahren blieb aus. Für unsere Auftritte sind wir quasi nach Russland emigriert. Dort haben wir ein sehr dankbares Publikum gefunden. Die Fans geben hier gerne Geld für unsere Konzerte aus. Die Auftritte haben in den vergangen Jahren echt Spaß gemacht.

De-Phazz by_Claus-GeissgrossDe-Phazz – ein beruhigender Klangteppich

Musicspots: Hat euch euer Publikum hier in Deutschland vermisst?

Pat Appleton:Naja, vielleicht ein wenig, aber ich glaube, wir haben unsere Fans auch verloren. Die Fans der ersten Stunden sind erwachsen geworden, haben Kinder bekommen und wollten plötzlich nicht mehr ausgehen. Auch waren wir ein wenig von der Bildfläche verschwunden weil wir als independent Band auch nicht mehr so präsent waren, weder im Radio noch TV. .Wir haben dann versucht, neue Wege zu gehen. Die Produktionen mit der HR Bigband wurde leider auch nicht wirklich angenommen. Plötzlich wollte das Publikum doch wieder tanzen.

Musicspots: Das neue Album Black White Mono klingt für mich wieder richtig typisch nach De-Phazz. Wie ist euch das gelungen?

Pat Appleton:Nach 20 Jahren wollen wir wieder richtig angreifen und feiern. Wir wollten eine schöne runde Scheibe produzieren. Ich finde das ist uns gelungen. Ich habe das Album die ersten Woche nach Release mehrfach durchgehört und mich immer wieder neu über jeden Song gefreut. Es ist wie ein Klangteppich, der beruhigt.

Diese Aussage kann ich auf jede Fall unterschreiben. Ich finde bei Black White Mono ist für jeden etwas dabei. Vom sanften Lounge-Sound bis zum tanzbaren Club Song haben Pit Baumgartner, Pat Appleton, Karl Frierson & Co. ein tolle Zusammenstellung an Songs herausgebracht.

Aktuelle Themen in Musik verpackt

De-Phazz 2_by_Claus-GeissgrossMusicspots: Welche Songs sind deine Favoriten vom neuen Album?

Pat Appleton: Auf jeden Fall „No God no Trouble“, der Song spiegelt die aktuelle Situation wieder. Jeden Tag schlagen sich die Menschen wegen Lächerlichkeiten die Köpfe ein. Ich denke, das kann nicht der Wille eines Gottes sein. Jeder kann meiner Meinung nach an das glauben, was er mag, aber der Glaube sollte doch bitte kein Grund für Streit zwischen Menschen sein.

Musicspots: Ist der Text von dir?

Pat Appleton:Von Pit und mir. Wir schreiben immer gemeinsam. Inspiriert durch aktuelle Themen setzen wir uns zusammen und sammeln Themen. Wäre während der Produktion die Royal Wedding gewesen, hätten wir auch diese in einen Song gepackt. Musik ist für mich eine wichtige Möglichkeit, auch schwierige Themen, wie Ängste und Unsicherheiten zur Sprache zu bringen.

Wir schweifen kurz ab, tauschen uns aus über Gewohnheiten und Veränderungen. Wir sprechen über Kindertage, in denen es noch eine Mittagsruhe und keine Handys gab. Zeiten in denen Ruhe herrschte und in denen man bestimmte Augenblicke noch bewusster erlebte.

Musicspots: Welcher Song gehört noch zu deinen Lieblingssongs?

Pat Appleton:All Inclusive“. Der Song kommt so easy und leise chillig daher. Im Text geht es jedoch um die Angst, die uns aktuell scheinbar überall begleitet. Es ist die Story über einen Urlaub in einer schönen Hotelanlage, umgeben von bewaffneten Aufpassern, damit nichts passiert. Die Frage ist nun wer bewacht wen, und kann man sich wirklich darauf verlassen?

Die Story macht den Song zu Musik

All Inclusive ist ein toller Song. Jazz mit leicht karibischen Percussions, die rauchige Stimme von Pat Appleton erzählt die Story unauffällig und leise. Der bewusste Bruch zwischen Musik und Text in den De-Phazz Songs ist eines der Elemente, die ich so schätze. Du summst eine Melodie mit, hörst auf den Text, stoppst und hörst genauer hin. De-Phazz Songs sind beim näheren Hinhören immer für eine Überraschung gut.

Meine persönliche Favoriten auf dem Album sind das soulige Love Vampire und As The World Turns. Der Soul von Karl Frierson ist einfach super smooth. Funky Kid zeigt noch mal die großartigen Produktionskünste von Pit Baumgartner. Ich liebe auch Spoiled von Pat Appleton und das ruhige No Bud von Barbara Lahr. Gibt es eigentlich einen Song, den ich nicht mag auf dem Album? Nein. Black White Mono bietet mit seiner unterschiedlichen Songs eine gute Mischung für jede Gelegenheit. Ein echter De-Phazz Klassiker, für Fans und alle die es werden wollen.

Keep it funky live im Herbst

De-Phazz liveMusicspots: Auf meinem ersten und leider bisher einzigen Konzert 2000 / 2001 im Berliner Columbia Fritz wurden im Hintergrund eigene Videoproduktionen abgespielt, wird es die wieder geben?

Pat Appleton: Gegenüber unseren Anfängen hat sich auch live viel gewandelt. Die Videos haben wir ein wenig zurückgefahren. Wir wollen lieber mehr Musiker mit auf die Tour nehmen. Mit unserem Jazz Album De-Phazz Private haben wir gemerkt, dass wir als Musiker auch auf der Bühne gerne live zusammen spielen wollen und weniger vom Band. Unser Keyboarder (Ulf Kleiner) kommt mit. Karl  Frierson wird auf jeden Fall dabei sein. Wir wollen gemeinsam mit allen auf und vor der Bühne 20 Jahre De-Phazz feiern.

Das ist `mal eine Ansage. Das neue Album Black White Mono von De-Phazz steigert bereits die Vorfreude auf das Konzert. Es erinnert an die ersten Hits von De-Phazz, wie The Mambo Craze und Something Special, ist aber frisch und neu. 20 Jahre De-Phazz, da sind jede Menge Songs im Gepäck, die gespielt werden wollen und hoffentlich werden.

Wir sollten mehr chillen.

Während wir weiter über die Welt philosophieren, sinkt hinter uns langsam die Sonne. Pat erzählt mir von plötzlichen Einbrüchen der Albumverkäufe während der Einführung des Kopierschutzes, die Irritation der Plattenfirma über die Entwicklung der mp3 und den Druck, den die Zusammenarbeit bei einem Major Label mit sich brachte. Wir schweifen vom Album und der Tour wieder zum heutigen Trend der ständigen Selbstdarstellung „Jeder macht Fotos und Videos auf Konzerten“, seufzt Pat. „Können die Menschen den Augenblick nicht mehr geniessen?“ Und wieder sind wir beim neuen Album, mit Songs, die wie May oder Ma Cherry Bo, zum Ausruhen einladen. „Wir sollten mehr Chillen“, sagt Pat Appleton zum Abschluss.

Und vielleicht ist es das, was ich in den vergangenen Jahren so an De-Phazz geliebt habe und weiterhin schätze. Eine Band mit toller Musik, bei der man sich mal in den beruhigenden Klangteppich fallen lassen kann.

Der Vorverkauf ist bereits gestartet und nachdem für die Jubiläumskonzerte im vergangenen Jahr die Fans aus aller Herren Länder angereist sind, solltet ihr schnell zugreifen.

De-Phazz Live im Herbst 2018

05.09.18 Berlin · Lido

06.09.18 Hannover · MuZ

07.09.18 Hamburg · Mojo

08.09.18 Osnabrück · Lagerhalle

09.09.18 Düsseldorf · Capitol

11.09.18 Köln · Stadtgarten

12.09.18 Kaiserslautern · Kammgarn

13.09.18 Karlsruhe · Tollhaus

14.09.18 Heidelberg · Karlstorbahnhof

15.09.18 Ludwigsburg · Scala

16.09.18 Freiburg · Jazzhaus

19.09.18 A-Lustenau · Freudenhaus

20.09.18 A-Innsbruck · Treibhaus

21.09.18 München · Ampere

22.09.18 Friedrichshafen · Bahnhof Fischbach

24.09.18 A-Wien · Porgy & Bess

25.09.18 CZ-Prag · Lucerna Music Bar

26.09.18 Leipzig · UT Connewitz

Black White Mono gibt es sicher auch im Plattenladen eures Vertrauens zu kaufen und online über die bekannten Kanäle zu hören.

Hier zum Einstimmen das Video zu Spoiled für euch:

Und weil Black White Mono so grossartig ist, hier die Album-Vorstellung im Making Off durch De-Phazz persönlich.

Mehr über De-Phazz erfahrt ihr wie immer über die Webseite, die Facebook-Fanpage und den Youtube Kanal Phazzadelic.

Ihr kennt De-Phazz noch nicht oder wollt einfach mehr von De-Phazz hören? Dann ist sicher das jazzige Album Private etwas für euch.

Fotocredits: De-Phazz by Claus Geiss, Liveaufnahme by Natalya Rodina.

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