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Saitün veröffentlichen ihr spektakuläres Debüt-Album Al‘ Azif

Das Quartett Saitün aus Basel hat ihr Debüt-Album Al‘ Azif veröffentlicht. Mit einer Mischung aus Rock und World Music ziehen sie ihre Hörer:innen durch nahöstliche Rhythmen und verführerische Melodien in ihren Bann.

Al‘ Azif: Ein mystisch-spektakuläres Album

„Alter Schwede, was ein Brett!“ – denke ich, als ich in das Debüt-Album Al‘ Azif von Saitün rein höre. Nach dem fulminanten Intro reißt mich der erste Song Sanatorium sofort mit. Sound und Gesang erinnern an Queens of the Stone Age, Gitarrensound und Spielweise an Tinariwen.

Diese Kombi lässt mein kleines Musikwissenschaftlerinnenherz höherschlagen. Die Gitarreneffekte und Soundkulisse vermitteln den Eindruck, als würde ich mich inmitten eines Sandsturms in der Wüste befinden. Um mich herum surrt und schwirrt es. Fast etwas orientierungslos versuche ich, die vielen musikalischen Eindrücke zu verarbeiten.

Mit dem nächsten Song Stomach Is A Graveyard legt sich der Sturm, doch es bleibt nicht weniger aufregend. Ein treibender Rhythmus von Drums und Bass ziehen mich weiter in die mystische Klangwelt hinein. Als sich der Song etwas beruhigt lausche ich den Lyrics: „Where do you get your protein from? Protein makes your body strong.“  Achso, ja klar: Wir essen viel Mist und hören zu selten auf unseren Körper. „Hm, esse ich eigentlich genug Eiweiß?“, schießt es mir kurz durch den Kopf. Egal, keine Zeit zum Nachdenken. Los jetzt! Der wilde Ritt durch die Wüste geht weiter.

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Die Inspiration zu Al‘ Azif stammt aus der Feder von H.P. Lovecraft

Ich denke ihr habt einen ungefähren Eindruck bekommen, wie es mir beim Hören von Al‘ Azif ergangen ist. Die Referenz zur Wüste habe ich dabei nicht willkürlich gewählt. Die Inspiration für das Album stammt aus der Feder des Horrorliteratur-Autoren H.P. Lovecraft. Er beschreibt unter dem Pseudonym Abdul Alhazred einen wahnsinnig gewordenen Lyriker, der um 700 v. Chr. im Jemen lebte.

Auf seinen Reisen durch die arabische Wüste erforschte Al Hazred die Geheimnisse vergangener Hochkulturen. Dabei stieß er in der Wüstenstadt Irem auf Aufzeichnungen einer unbekannten Kultur und begegnete interstellaren Wesen, die er in seinem Wahn verehrte. Bei seiner Rückkehr nach Damaskus schrieb er seine Erfahrungen nieder.

So entstand das Manuskript für das Kitab Al‘ Azif – dem Buch vom Summen. Dem Geräusch der Wüstendämonen. Doch das Manuskript ist wie sein Autor unter mysteriösen Umständen verschwunden. Gerüchte besagen, dass er von einem unsichtbaren Schrecken verschlungen worden sei.

Saitün überzeugen mit energiegeladenen Songs und tollen Arrangements

Saitün greifen die Ästhetik dieser Erzählung musikalisch auf und binden das Summen der mysteriösen Wüstendamönen in einzelne Songs mit ein. Dabei gleicht das Album einem Feuerwerk von Eindrücken und Soundscapes. Gradlinige Songs wechseln sich mit klanggewaltigen Interludes ab.

Dabei überzeugt Saitün mit tollen Arrangements aus Perkussionsorchester, Saz, Synthesizern und Chören. Ihre gesellschaftskritischen Texte über Freiheit, Zwang, Konsum und die immerwährende Verlorenheit der Menschen tragen sie ehrlich und ohne Beschönigungen vor. Dabei kommen Witz und Charme aber dennoch nicht zu kurz.

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Cultural Appropriation? Cultural Appreciation!

Meiner Meinung nach haben Saitün mit Al‘ Azif für das Jahr 2022 bereits mächtig vorgelegt. Ich habe selten ein so wuchtiges und spektakuläres Album gehört, das mich auf Anhieb so überzeugt hat.

Insbesondere die Einbindung der nähöstlichen Musiken ist ein spannender Aspekt. Diese künstlerische Hommage bietet die Möglichkeit, Zuhörer:innen an neue Musiken heranzuführen und seine eigene Musik um tolle Aspekte zu bereichern. Doch wo liegen die Grenzen bis zu welchem Grad sich an dem Material anderer Musiken bedienen werden darf? Dieser Frage sind wir mit Saitün im Interview auf den Grund gegangen, das in Kürze veröffentlicht wird.

Abschließend bleibt mir nur noch zu sagen, dass ich es kaum erwarten kann die Jungs live zu erleben! Termine sind bereits in Planung. Bis dahin wünsche ich euch viel Spaß beim Hören.

Al‘ Azif von Satün ist am 28. Januar auf Mon Petit Canard erschienen. Weitere Infos findet ihr auf Spotify, Instagram und YouTube.

Fotocredits: Basil Schubert