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Hanna Fearns – Are You Alright?

„Are you alright?“ ist keine einfache Frage, die als Albumtitel von Hanna Fearns daherkommt. Sie ist für mich oft mehr als das deutschsprachige „Hallo, wie geht es dir“. Hier geht es nicht um eine allgemeine Begrüßung, sondern um die ehrliche Nachfrage nach dem Gegenüber.

Hanna Fearns macht das mit ihrem dritten Album: Sie stellt Fragen, die man sich selbst längst nicht mehr traut. Während viele Popalben im Selbstbefragungsmodus steckenbleiben, richtet die Kölner Musikerin ihren Blick konsequent auf die Menschen um sie herum, auf ihre Verletzlichkeit und die kleinen und großen Krisen. Sie hat daraus eine überzeugende Platte gemacht, die etwas in mir bewegt. So stoppe ich unvermittelt in dem, was ich nebenbei getan habe und höre zu.

Entdeckt als Tipp aus der MUSICSPOTS Community

Dieser Artikel entstand dank eines Tipps aus unserer Community. Auch du kennst Künstler*innen, die mehr Aufmerksamkeit verdienen? Teile sie mit uns! Und wenn du unabhängigen Musikjournalismus unterstützen möchtest, werde Teil der MUSICSPOTS Community – gemeinsam halten wir die Musik am Leben, die sonst durch die Raster fällt.

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Eine Karriere, die sich Zeit gelassen hat

Ehrlich gesagt, ich kannte Hanna Fearns vorher nicht. Umso mehr hat mich der Tipp aus der MUSICSPOTS Community erfreut und überzeugt. Aufgewachsen am Bodensee, in einer Familie, in der Musik selbstverständlich war, startete sie früh mit Musizieren. Ihre Großmutter war Konzertsängerin, ihr Vater brachte ihr die Liebe zum Folk und zu Arbeiterliedern ins Leben. Mit zwölf Jahren begann sie Gitarre zu spielen, mit 15 Jahren trampte sie durch Europa und finanzierte die Reisen mit Straßenmusik. Anschließend gründete sie ihre erste Band. Ihre Musik bewegt sich anfangs zwischen Pop, Punk und New Wave. Inzwischen hört man viel Country und Americana in ihren Stücken.

Mit dem Umzug nach Köln kam dann ein Wendepunkt für Hanna Fearns. Kurz vor ihrem 50. Geburtstag erschien 2014 das Debüt-Soloalbum Sentimental Bones. Die Fachpresse hörte zu und erkannte die Geschichtenerzählerin mit Format. Es folgte Turn on the Light (2018), produziert mit Olaf Opal (The Notwist). Die Pandemie unterbricht ihren neuen Schwung abrupt. Die Musikerin nutzt die Pause für Kreativität und veröffentlicht die EP If/When, auf der sie nahezu jeden Ton selbst spielt. Erstmals nähert sie sich einem Sound an, den sie selbst als Lovechild von Brian Eno und den Cowboy Junkies beschreibt. Auf Are You Alright? findet diese Entwicklung ihre finale Phase. Entstanden sind Stücke, die einen mitnehmen. Auch, oder besonders wenn das Zuhören manchmal wehtut.

Eine Reise in die guten 90er

Was mir beim ersten Durchhören sofort auffällt, ist, dass Hanna Fearns mit ihrer dunklen, warmen und oft traurigen Stimme der Schnelllebigkeit unserer Zeit zu trotzen vermag. Gekonnt werden Pop-Melodien mit Country kombiniert und so ein ganz eigener Sound kreiert. Die Baritongitarre nimmt eine besondere Rolle ein und bildet mit Hanna Fearns‘ Stimme eine perfekte Kombi. Der David-Lynch-Film-Vergleich passt und auch den Analogien zu Wilco und besonders Mazzy Star kann ich zustimmen. Wir sind wieder in einer guten Musikphase der 90er Jahre angekommen.

Deutlich wird dies für mich in dem Song It’s just ink. Es geht um das Kreisen dunkler Gedanken, was uns allen bekannt ist. Die bildliche Sprache passt perfekt: „It’s like ink pouring into water“. Leichter Rock nur mit der dunklen Erzählstimme. Manchmal braucht es nicht mehr, um Trost zu spenden.

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Weitere Informationen

Zeitlos und dennoch aktuell

Das Besondere an Fearns‘ Songwriting ist für mich der Blickwinkel. Statt über sich selbst zu sprechen, erzählt sie oft über andere oder die Wirkung auf unsere Gesellschaft. Einer meiner Favoriten ist daher auch Radio Silence. Hier schreibt sie darüber, ganz plötzlich geghostet zu werden und wie es sich anfühlt, plötzlich im Vakuum zu verweilen. Mal ehrlich: Können wir dieses sich plötzlich gar nicht mehr melden, einfach lassen? Das tut doch niemandem gut. Das Stück dazu ist aber passend und bleibt im Ohr.

Ich habe etwas gebraucht, um in dieses Album voller guter Texte reinzuhören. Es sind Songs, die tief gehen. Stücke, die einen unerwartet ansprechen. In perfekten 35 Minuten wechseln sich intime Songmomente mit breiten Klangflächen ab. Kein Song zu viel, kein Arrangement zu laut. Jede Entscheidung klingt notwendig.

Nach der Tour ist vor den nächsten Gigs

Leider ist die Release Tour rund um das neue Album bereits vorbei. Wer sich von der Qualität und der Tiefe der Stücke überzeugen will, sollte die kommenden Termine nicht verpassen.

17.07.26 Milla (München)
13.08.26 Kreisel-Konzerte Open Air (Hamburg)

Wer Hanna Fearns kennt, weiß, es werden weitere folgen. Nachgefragt, wie die Auftritte waren, sagt die Musikerin: „Es war für mich ein tolles Gefühl, das Album endlich live auf die Bühne zu bringen und die direkten Reaktionen des Publikums zu erleben. Wir haben zu dritt einen guten Weg gefunden, die klangliche Vielfalt des Albums auch live umzusetzen. Die Songs kamen super an, und auch auf die ruhigeren Stücke hat sich das Publikum wunderbar eingelassen. Ich freue mich schon auf die weiteren Termine im Herbst und im Frühjahr 2027.“

Wer es im Juli nicht zum Gig nach München und im August nicht nach Hamburg schafft, dem empfehle ich das neue Album. Are You Alright?, das auf allen gngigen Plattformen erschienen ist.

Mehr über Hanna Fearns erfahrt ihr auf ihrer Webseite oder auf Instagram.

Fotocredit by Torben Nuding

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