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SXSW London 2026 – Ein Blick zurück auf Talks und Konzerte

Mein erster Besuch auf der SXSW London war intensiv und beschäftigt mich auch über eine Woche später noch. Die Erlebnisse waren so vielfältig, wie das Programm und ich freue mich weiterhin über viele spannende Impulse, spontane Begegnungen und Austausch über das Programm hinweg.

Ich muss direkt zugeben: Ich hatte keine Ahnung, was mich erwartet. Klar, die SXSW in Austin ist allen ein Name. Das legendäre Festival in Austin, Texas, zu dem die Kreativen, Techies und Musikbegeisterten aus aller Welt pilgern. Aber London? Seit vergangenem Jahr gibt es auch hier eine Ausgabe der Konferenz mit Festival.

Verortet in Spitalfields, rund um die Brick Lane, fand das 6-tägige Festival vom 01. bis zum 6. Juni 2026 zum zweiten Mal statt. Ich war selbst nur an zwei Tagen vor Ort, aber Mittwoch und Donnerstag hatten es in sich.

Klein, aber mit viel Hallo

Die jüngere, etwas schlankere Schwester des amerikanischen Originals, ist nicht schüchtern in ihrem Auftreten. Mehr als 20 Locations rund um Spitalfields luden zu Panels, Pitchevents, Konzerten und Talks ein. Draußen sorgten am Mittwoch sogar ein großes DJ-Set von DJ AG für einen besonderen Programmpunkt. In seinem mehrstündigen Set lud er verschiedene Acts zu Features ein. Überzeugt hat mich die Australierin Takara, die ich am Freitag live mit Band auf der Bühne erlebt habe.

Vor der Hauptlocation der Trumans Brewery gab es Food Trucks und der dauerhafte Zumba-Spot in der Nähe sorgte für das nötige Stretching zwischen dem Anstehen und dem In-Reihen-Sitzen. Ich fühlte mich an einigen Ecken leicht an die OMR erinnert. Die beteiligten Partner füllten eine Wand und wurden immer präsent vor und während der Panels eingeblendet. Muss das sein? Ich weiß, Veranstaltungen in dieser Größe kosten Geld und es waren hochklassige Speaker eingeladen. Dennoch bleibt ein schaler Beigeschmack auf der Zunge, wenn ich zurückblicke und sehe, dass hier nur die Großen Sichtbarkeit bekamen.

Die Venues waren groß – manche für sicher 300 bis 500 Menschen ausgelegt. Beim ersten Betreten wirkte das erschlagend. Doch der Service war wirklich gut. Das Service Team hatte immer ein mobiles Gerät dabei und schaute gern, welcher der nächste Programmpunkt ist, oder wo dieser stattfinden sollte. So wurde die Frage: Sorry, can you help me, immer mit einem freundlichen – Sure, what can I do for you?“ beantwortet.

Ein Thema zog sich natürlich durch alle Bühnen: Künstliche Intelligenz! Manchmal als Hauptthema, manchmal als beiläufiger Verweis, manchmal fast schon reflexartig. Aber es lohnt sich, genauer hinzuhören, wann KI wirklich etwas zum Gespräch beiträgt und wann sie bloß als Pflichterwähnung auftaucht, um Aufmerksamkeit zu generieren.

Meine 6 Highlights – Insights & Austausch

Ich habe die SXSW London bewusst als Inspiration gesehen. Somit habe ich mich vorab wenig auf das umfangreiche Programm gestürzt, sondern von spontanen Impulsen leiten lassen. Das hat mich ab und an in Talks geführt, die ich nach kurzer Zeit verlassen habe (Lokal Politik mit Wes Stritting) und habe sicher auch ein paar Programmpunkte verpasst. Aber das kenne ich bereits vom Reeperbahn Festival. Anders als hier, habe ich mich dieses Mal erst spät in die Musik-Darbietungen gestürzt, diese aber gut ausgewählt und so ein paar schöne Konzerte mitnehmen können.

Hier meine sechs Highlights für euch:

1. „Last Night a DJ Saved My Life“

Das Panel brachte Jodie Harrish, Cameron Leslie und Charisse Beaumont zusammen, um über Clubkultur, schwarze Musik und die Geschichte hinter den Türen der Venues zu sprechen. Moderiert von Deborah Arthurs, lauschten wir einem offenen Gespräch über Widerstand und die Wichtigkeit von Kulturorten.

Charisse Beaumont von Black Lives in Music sprach darüber, wie schwarze Künstlerinnen und Künstler noch in den 70er Jahren aktiv aus Venues verdrängt wurden. Ein Fakt, der vielen von uns meist nicht präsent ist. Denn wir feiern die Musik der 60s und 70s oft unbeschwert und ohne uns der Zeit bewusst zu sein, in der sie entstanden ist. Charisse Beaumont erzählte von harten Kämpfen um staatliche Anerkennung, Transparenz und Teilhabe an den Erträgen einer Industrie, die zu 80 Prozent vom Black and Asian Music getragen wird. Bis heute müssen wir weiterkämpfen und sollten uns dieser Ungleichheit immer bewusst sein.

Londoner DJ, Musikproduzentin, Drag Queen und Autorin Jodie Harrish brachte es auf den Punkt: Kulturräume sind nicht trivial. Sie sind Orte, an denen Communities entstehen. Wo man fühlt, dass man dazugehört. Jodie Harrish hat selbst die Bedeutung dieser Räume erlebt und der Titel des Talks zeigte, dass Safer Spaces wichtig sind.

Cameron Leslie ergänzte treffend: dass man sich neben Bühnen und Technik auch über einen möglichen Zugang Gedanken machen muss. Es sind auch Sanitäranlagen, Rückzugsorte für Artist oder Barrierefreie Eingänge, die uns heute beschäftigen sollten, um Kulturorte zu schaffen, in denen sich alle willkommen fühlen.

Danke für diesen Talk. Den ich durch Zufall am Donnerstag auf dem Programm gesehen habe und mir zum Glück Zeit genommen habe.

2. „How to Produce a Podcast in 30 Days“

In der Session zum Thema „How to Produce a Podcast in 30 Days“ wurde vieles gesagt, was man schon kennt – und trotzdem ist es anders, wenn es jemand mit echter Überzeugung ausspricht. Drei Punkte habe ich mitgenommen: Disziplin ist Voraussetzung für eine gute Staffel, denn Beständigkeit ist wichtig beim Aufbau der Follower und Friends, Die Chemie mit dem Gast muss stimmen. Und das Wichtigste: Erst die Hörer*innen, dann die Werbung. Wer mit Marketing anfängt, verliert sich oft selbst in der Erreichung von monetären Zielen.

Was mich bei dieser Session zu hören freute war, dass persönliche Empfehlungen im Podcasting noch immer das Wirkungsvollste sind. Mundpropaganda schlägt Algorithmus, zumindest vorerst.

Ach hier muss natürlich auch die tolle Location erwähnt werden: die Spitalfields Cathedral.

Musik & Miteinander

3. Medulla – So klingt female Rap heute

Die aus Manchester stammende Rapperin Meduulla hatte ich bereits letzten September beim Reeperbahn Festival erlebt. Ich liebe ihren Style voller starker Texte, die von einer starken Frau kommen, die sich für Frauen und Gleichberechtigung stark macht. Vorab hatte ich kurz Zeit mich mit ihr zu unterhalten. Ein kurzer Podcast von der SXSW folgt.

4. Treffen mit Sophie Hearth von Noble & Heath

Die Sets des DJ Duo Noble & Heath ist mein stetiger Begleiter, wenn ich im Job derzeit deep dive Phasen habe. Ich liebe einfach den 60s & 70s Soul gemischt mit neuen Veröffentlichungen. Da Emma Noble die Woche nicht in der Stadt war, habe ich kurz Sophie Heath am Fora Space getroffen. Ein persönlicher Austausch ist doch immer das Beste in unseren digitalen Zeiten.

5. Takara – RnB aus Australien

Takara hat mich am Mittwoch bereits mit ihrem schönen fließenden RnB beim Set mit DJ AG auf der Freifläche gefesselt. Das Konzert am Freitag im Underground Club war leider zu früh angesetzt, um ein echtes Publikumsgefühl aufkommen zu lassen. Ihre aktuellen Singles Into The Water und your God weisen aber auf ein spannendes Album hin.

Wissen, das bleibt: Pitches und Zusammenarbeit

6. Tech-Pitches für Techies und die Musikbranche

Ich habe mir zwei Pitch Events angeschaut, beide zeigten wieder: KI rules und wir brauchen mehr weiblich gelesene Personen auf den Bühnen und im Business.

Besucht habe ich das Venture Spotlight Finale, bei dem es 100.000 Pfund zu gewinnen gab und dann habe ich mir noch einen Ausschnitt aus neuen Lösungen für die Musikindustrie angehört. Dieser Pitch war ähnlich dem Hamburger Music Worx Programm. Beide Events zeigten mir wieder KI ist nicht die Lösung, sie ist aber ein immer wichtigeres Element für eine gute Lösung in unserer Zeit. Daher hat mich auch der Pitch von Kirsty Lloyd-Jukes, CEO von Stateful Robotics am meisten überzeugt. Sie konnte den dritten Platz im Venture Spotlight Pitch belegen. Glückwunsch.

Lohnt es sich die SXSW London?

Für mich hat sich der Besuch der SXSW London auf jeden Fall gelohnt. Ich bin aber vielleicht auch ein Sonderfall. Denn ich lebe zu fast gleichen Teilen in der IT / Tech-Welt, verbinde Startups und habe immer einen Fuß in der Musikbranche. Daher ist die SXSW für mich, vielleicht sogar ein wenig optimaler als das Reeperbahn Festival, das den Tech-Business mit der anderen parallelen Events wie der re:publica versucht zu vereinen, es aber nie ganz zu schaffen scheint. Dennoch sind sechs Tage viel und ich habe von einigen gehört, dass sie nur einen oder maximal zwei Tage vor Ort waren.

Ich kann für mich sagen, dass ich gern wiederkomme und beim nächsten mal sicher den einen oder anderen Weg weniger machen muss, da ich die Locations bereits kenne. Oder vielleicht weil ich vorher mehr ins Programm geschaut habe.

SXSW London scheint noch keine fertige Konferenz zu sein. Sie ist zwar die kleine Schwester der großen Ausgabe in den USA, kommt an manchen Stellen aber noch etwas unsortiert und fast tapsig rüber. So hatte ich oft das Gefühl, dass die Locations nicht übervoll waren, die vor Ort waren, schienen aber Spaß zu haben.

Ich hatte das Gefühl, dass die Energie stimmte, die Themen größtenteils auch. Als jemand der alleine unterwegs war, war ich nicht einsam in der Menge und das macht vieles aus. Ob das an der SXSW London oder an London generell lag, mag ich nicht zu sagen. Doch generell ist London eine Stadt, die mich begeistert und mir sofort das Gefühl gegeben hat, willkommen zu sein. Es ist diese Internationalität und das Miteinander, das mich begeistert und sicher bald wieder kommen lässt. Vielleicht wieder zur SXSW London 2027 zur Berichterstattung für MUSICSPOTS?

Na, welches Festival oder Konzert steht bei euch als nachstes aif der Liste? Ich habe euch den Konzert-Kalender mit MUSICSPOTS Empfehlungen wieder aktualisiert.Schaut mal rein. Fehlt euch etwas? Dann schreibt mir eine Mail.

Fotocredit: alle Fotos by Caro Schwarz für MUSICSPOTS