TOKUNBO hat ihr zweites Album The Swan im vergangenen Jahr veröffentlicht. Die Jazzsängerin hat wieder wunderschöne Songs erschaffen, die sofort bei Musicspots in die Lieblingssongsauswahl gewandert sind. Beim 5. Hamburger Benefizkonzert der Initiative Courage Ende April, hat sich endlich die Gelegenheit ergeben TOKUNBO live zu erleben und vorab mit ihr über die Entstehung des Albums zu plaudern.

Jazz aus dem Norden

Hamburg, Markthalle, der Tag ist verregnet, der Sommer lässt noch auf sich warten. Ein perfekter Sonntag für einen Familientag und einen Abend mit Musik. Das haben sich auch viele Besucher des Kinderfestes der der Initiative Courage gedacht. Im Foyer spielen Kinder in Begleitung ihrer Eltern, in der großen Halle wird bereits alles für das Konzert vorbereitet. Zu Gast sein werde Phil Siemers, TOKUNBO und das Tingvall Trio. Ein Line-Up mit hochklassigen Jazz und Soul Musikern aus Hamburg. Vor dem Konzert darf ich mich durch die leere Halle in den Backstage-Bereich schleichen. Hier singt sich TOKUNBO gerade mit ihrer Gitarre ein und empfängt mich freudestrahlend.

TOKUNBO eine Ausnahmemusikerin im Gespräch

Nach 15 Jahren als Frontfrau von der Soulband Tok Tok Tok, unzähligen nationalen und internationalen Auftritte und fünf German Jazz Awards, ist TOKUNBO nun bereits seit einigen Jahren erfolgreich alleine unterwegs. Ihr Debütalbum Queendom Kingdom, wurde ebenso hoch gelobt wie der Nachfolger The Swan. Ihre Entscheidung eigene Wege zu gehen, hat sie scheinbar nicht bereut. Beide Alben beinhalten Songs, die mich direkt so begeistert haben, dass ich diese Ausnahmemusikerin seit langem gerne persönlich treffen und live erleben wollte. An diesem Nachmittag und Abend ergibt sich die Möglichkeit endlich. 

Fluch und Segen des zweiten Albums? Gibt es das überhaupt?
Ja, das sagt man ja so, aber in meinem Fall war es eher ein Segen. Ich stand nicht unter dem Druck durch eine große Plattenfirma schnell wieder etwas Neues zu produzieren. Ich habe mir Zeit lassen können, bin zwischendurch Mutter geworden. Besonders dadurch habe ich viele neue Emotionen erlebt, die auch in das Album eingeflossen sind. Mit meinem Team habe ich die Songs reifen lassen und einige haben sich mit der Zeit noch etwas verändert.

Wie in einem Spielzeugladen für Musiker

Ihr Album The Swan ist, so erzählt sie, nach der Geburt ihres Sohnes entstanden. Der Auftritt heute im Rahmen der Initiative Courage Benefiz-Veranstaltung verbindet somit beides, die Leidenschaft für Musik und TOKUNBOs Mutterrolle. Natürlich hat das Mutterwerden auch ihre Musik beeinflusst. Auch wenn der Sound bereits zu Beginn feststand, so haben sich mit der Zeit noch ein paar Arrangements verändert. Im Studio mit Ulrich Rode und Anne de Wolff wurden gemeinsam die Instrumente ausgewählt. Es war wie in einem Spielzeugladen für Musiker“, lächelt Tokunbo versonnen. „Ulrich und Anne spielen so viele verschiedene Instrumente, dass man immer mal sagen konnte: Ich will noch etwas davon und ein wenig hiervon.“

Gibt es einen Song auf The Swan, den du als erstes fertig produziert hattest?
Ja, den Song „Innocence“. Das ist ein Song, der mit Blick auf meinen Sohn entstanden ist. Ich fühlte mich immer wie eine alte Seele und dachte ich könnte nicht Kind sein. Erst mit der Geburt meines Sohnes und durch ihn habe ich dieses Unschuldige neu erleben können.

Tokunbo

Innocence ist ein so schöner Song geworden. TOKUNBO singt in sanfter Begleitung von Gitarre und leichtem Schlagwerk, wie sich ihre Gefühlswelt durch ihren Sohn verändert hat. Wunderschön. Auch an diesem Abend begeistert sie mich wieder mit Innocence

Mit der eigenen Musik begeistern

Du bist nun seit 20 Jahren im Business. Um dich herum hat sich in der Zeit viel verändert.
Ich hänge den alten Zeiten nicht nach. Ich schaue lieber positiv nach vorne und ins Hier und Jetzt. Klar hat sich mit der fortschreitenden Digitalisierung, dem Streaming und den technischen Möglichkeiten viel verändert. Nicht nur zum Guten, aber wir haben heute so viele Möglichkeiten vieles selbst zu gestalten und mit unseren Fans in Kontakt zu treten, das ist grossartig.

Da kann ich ihr nur zustimmen. Nie war es einfacher sich über die sozialen Medien mit Musikern direkt auszutauschen. Viele Künstler sind heute unabhängig unterwegs und pflegen einen viel persönlichen Austausch mit ihren Fans und Unterstützer.
TOKUNBO erzählt, dass sie bewusst die Entscheidung getroffen hat, sich nicht mehr an ein großes Label zu binden. Auch die Trennung von bestehenden Partnern hat sie nie bereut. Sie arbeitet weiter mit einem großen Team zusammen, die Fäden laufen direkt bei ihr zusammen. Es klappt gut. Besonders freut sie sich für ihr zweites Album genau die richtigen Promoter gefunden zu haben. Man steckt ja nicht nur viel Liebe und Zeit in die Musik, man benötigt auch die Chance gehört zu werden und Menschen mit seiner Musik zu erreichen, so TOKUNBO.

Live fast noch schöner

Auch mit dem wunderschönen zweiten Album The Swan hat TOKUNBO viele Menschen begeistern können und wird es an diesem Abend in der Markthalle erneut. In Begleitung von Anne de Wolff und Ulrich Rhode spielt sie erst Cast Away, dann White Noise und anschließend Hummingbird. Für den zweiten Teil ihres Auftritts „leiht“ sie sich die Musiker von Phil Siemers, der den Abend eröffnet hat. So werden Innocence, Apple Pie und Heartbleed von ihrem ersten Album Queendom Come mit Unterstützung von Olli Karstens am Bass und André Wenzlitschke an den Drums performt. Ein rundum toller Gig.

Nachdem das Tingvall Trio den eigentlichen Abschluss dieses dreigeteilten Benefizkonzerts gemacht haben, kommen alle Musiker und Musikerinnen noch einmal auf die Bühne und singen gemeinsam eine Jazzversion von Shower the People von James Taylor. Ein passender und schöner Abschluss der Woche.

Mit Phil Siemers habe ich mich ein paar Tage später auf einen Cafe getroffen. Auch dieses Interview folgt hier demnächst. Wer das Tingvall Trio nicht kennt, sollte dies auch ganz schnell nachholen. Herzliche Dank nochmal an alle Beteiligten vor, hinter und auf der Bühne und besonders TOKUNBO für das Gespräch vor dem Konzert. 

TOKUNBO ist aktuell viel auf Tour in Deutschland. Wer die Chance hat, sollte auf jeden Fall in eines ihrer Konzerte gehen:

TOKUNBO auf Tour 2019

17.05.19 Bremen, KITO
18.05.19 Bad Wünnenberg, Spanckenhof
25.05.19 Minden, Jazzclub
28.06.19 Hamburg, Birdland mit Soulounge
04.07.19 Bremen, Breminale
31.07.19 Freiburg, ZMF
06.09.19 Hockenheim, Pumpwerk
13.09.19 Potsdam, Nikolaisaal
27.09.19 Worpswede, Music Hall mit Jan Löchel
18.10.19 Amrum, Gemeindesaal
24.10.19 Hannover, Salonfestival
31.10.19 Pforzheim, Kulturhaus Osterfeld
07.11.19 Ingolstadt, Jazztage
20.12.19 Hannover, Kuppelsaal mit NDR Radio Philharmonie

Weitere Infos über TOKUNBO erhaltet ihr über ihre Webseite, die Facebook-Fanpage, oder Youtube oder Instagram.

Fotocredit: Profilbilder Tokunbo by Anne de Wolff; Aufnahmen vom Konzert in der Markthalle by Roland W. Hölzing.

Wer weitere starke weibliche Stimmen entdecken möchte schaut mal in die Musicspots Powerful Female Voices Playliste auf Spotify oder eine andere der Musicspots Playlisten.

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