The Jeremy Days sind zurück. Am 18. Januar 2019 gibt die erfolgreiche Hamburger Band aus den 90ern wieder ein Konzert. Im Interview berichtet Dirk Darmstaedter, wie es zu diesem Konzert gekommen ist und wie er diese Zeit damals erlebt hat.

Wir sitzen noch immer in der REH Bar in Hamburg Altona. Nach intensivem Austausch über die aktuellen und kommenden Songs von Dirk Darmstaeder, Gespräche über Wandel und Beständigkeit in der Musikbranche, dreht sich nun alles um The Jeremy Days.

The Jeremy Days – Die Band

Wie kommt es, dass ihr im Januar wieder gemeinsam auf der Bühne steht?
Es erschien eigentlich unmöglich, dass es jemals wieder ein »J’Days« Konzert geben würde. Ich habe immer gesagt, The Jeremy Days – The Band that will never come back. Wir waren damals so eng zusammen. Es war alles unfassbar intensiv und einzigartig und schien unwiederholbar. Unser alter Booker kam mit der Idee für ein Konzert zum 30-jährigen Jubiläum auf mich zu. Ich hab die Mail weitergegeben, sagte aber direkt, dass ich da keine Chance sehe. Und dann haben wir uns doch genau hier im REH, da drüben am Tisch getroffen und gemeinsam überlegt, ob wir wieder ein Konzert spielen wollen.

REH BAR Altona

Die REH Bar in Altona, der Ort an dem alles wieder startete. Mein Blick führt mich zum Tisch auf der anderen Seite der gemütlichen Bar. Dirk berichtet, von dem Treffen. Vier der fünf Mitglieder waren von der Idee begeistert. Einer entschied sich dagegen. So wird Stephan Gade als Bassist den Part von Christoph Kaiser beim Konzert am 18.01.2018 übernehmen.

Wie alles begann

Wie ging es denn damals los mit den »J’Days«? Der Erfolg kam ja direkt mit dem ersten Album?
Naja, bevor es überhaupt die Band gab, haben Christoph Kaiser und ich bereits zwei Jahre sehr intensiv Songs geschrieben. Das war so etwa 1985. Wir wollten die neuen John Lennon und Paul McCartney werden. Wir wollten immer die beste Band der Stadt, des Landes, der Welt gründen. Es war ein wenig jugendlicher Irrsinn, es ging nicht darum, eine Platte zu machen, wir wollten die neuen Beatles werden. Viele haben uns ausgelacht, vielleicht völlig zurecht, aber manchmal gibt genau dies einem den Drive, den man braucht.

Dirk erzählt, wie Stefan Rager (Drums) erst einmal überredet werden musste, sein Leben von München nach Hamburg zu verlegen, um mit ein paar verrückten Teenagern eine Band zu gründen. Hinzu kamen Jörn Heilbut (Gitarre) und Louis C. Oberlander (Keyboard). Es wurde viel geprobt und gespielt. 1988 wurde das Debütalbum „The Jeremy Days“ erfolgreich veröffentlicht. Dieser Erfolg manifestierte bis heute auch bei mir den Eindruck, dass The Jeremy Days aus dem Nichts direkt durchgestartet sind . Es war wirklich keine Band, die erst mit ihrem dritten oder vierten Album Bekanntheit erreichte. Das Proben und sich Finden im Vorfeld war wichtig, so Dirk. Man konnte sein Repertoire aufbauen, ohne direkt daran gemessen zu werden.

Mitreden und Selbermachen

Ende der 80er gab es noch die Major Label als große Gatekeeper. The Jeremy Days erhielten einen Vertrag bei Polydor (Universal). Eine wilde Band mit der Intention, die nächsten Beatles zu werden. Passte das zusammen?

Wieviel Mitbestimmungsrecht hattet ihr bei euren Folgealben?
100%. Das war genau unser „Problem“ in der Branche. Wir waren unglaublich populär und erfolgreich. Viele wollten das bewahren und ausbauen. Wir aber wollten unsere Songs machen. Wir haben uns von niemandem „reinreden“ lassen. Wir hatten das Gefühl, arrogant sein zu müssen. Dies war sicher auch einer der Gründe, warum wir später nie mehr so erfolgreich waren. Natürlich wünsche ich mir rückblickend, dass wir auf ein paar Leute gehört hätten, die es gut mit uns gemeint haben, aber wir wollten direkt von „Love Me Do“ zu „Sgt. Pepper’s“. Ich liebe uns dafür, dass wir den Mut hatten, so glorreich zu scheitern. Nur so entstehen wirklich gute Sachen. Es gibt auf jedem Album Stücke, die sonst nie entstanden wären.

An welches Stück denkst du hier besonders?
Victory Over Vanity, eigentlich das ganze Re-Invent Yourself Album, das uns alle an den Rande eines Nervenzusammenbruchs gebracht hat. Es sind aber ein paar sehr schöne Songs dabei entstanden.

Was sind die schönsten Erinnerungen an damals?
Da gibt es eine Menge positiver aber auch nicht so positiver Erinnerungen. Das für mich wohl Prägendste und Wichtigste ist diese absolute Gemeinschaft, die wir hatten. Mit einer Band ist es, wie in einer Familie. In unserem Fall war es wirklich so. Und vielleicht war es auch der Grund, warum wir nach 10 Jahren nicht mehr miteinander sein konnten, weil es auch anstrengend und Kräfte zerrend ist, immer wirklich alles mit der Band zu besprechen. Aber das hat auch eine unheimliche positive Kraft, wenn du immer mit deiner Band auch deine Familie hast, mit der du, egal was ist, alles besprechen kannst und dann ist das auch wieder cool und ok.

Hast du diese Gemeinsamkeit später vermisst?
Nach der Band war es wahrscheinlich für alle so, dass man sich anfangs gefreut hat allein zu sein. Dennoch war es auch wie ein Wakeup Call, wenn man alleine in seiner Küche saß und merkte, dass man nun alles mit sich selber klären muss. Das war unbedingt notwendig, um als Mensch zu wachsen, aber es war auch schmerzhaft. Und rückblickend kann ich sagen, dass diese Gemeinschaft damals etwas sehr Spezielles war. Wenn einige sagen, sie haben die Liebe ihres Lebens gefunden, so habe ich mit The Jeremy Days die Band meines Lebens gefunden.

Und ist das heute wieder so?
Es ist anders, als all diese Sorgen, über die wir anfangs gesprochen haben. Die Sorgen über neue Songs, GEMA und Playlisten. All das interessiert uns aktuell nicht. Wir quatschen über alte Zeiten und spielen die alten Stücke, die wie aus der Zeit gefallen sind.

Ich bin gespannt auf das Konzert. Was erwartest du?
Ich glaube, dieses Konzert, wird etwas Besonderes. Es wird sehr emotional und ich muss echt cool bleiben. Ich höre wilde Geschichten. Zum Beispiel erreichte mich die Nachricht von einem Typen aus Austin Texas. Er war damals als Austauschschüler in Hannover. Er schrieb mir, es gäbe aus der Zeit für ihn nur zwei Bands: The Jeremy Days und The Smith. Sein Ticket und das Hotelzimmer hat er schon.

Ich denke auch, es wird ein tolles Konzert. Eine Reise in die Vergangenheit für alle Beteiligten auf und vor der Bühne. Viele werden kommen, die The Jeremy Days damals vom ersten Album The Jeremy Days bis zum letzten Album Punk My Numbers begleitet haben. Die Konzertankündigung über Facebook und der Start des Ticketverkaufs kamen im Sommer aus dem Nichts. Das Konzert ist quasi ausverkauft, ohne große Werbung.

Ich habe mein Ticket für den 18. Januar im Docks in Hamburg bereits. The Jeremy Days waren damals nicht DIE Band in meiner Musiksammlung. Nach schnellen Wechseln, zwischen 90s Pop, Boygroup-Songs und einer kurzen Punkphase bin ich letztendlich Mitte der 90er beim HipHop gelandet. Doch eine Band, die für die deutsche Musikgeschichte so prägend war, deren Wildheit und Sturheit durch alle Alben deutlich hörbar ist, live zu sehen, sollte man sich nicht entgehen lassen.

Zwischen 80´s Pop und 90´s Rock

Ich habe in den vergangenen Wochen die Alben oft durchgehört. Für mich klingt es, als hätte sich die Band mit der Zeit immer weiterentwickelt, ihren Stil zwischen Pop und Rock gefunden. Von dem soften Popsound von Brand New Toy hatte man sich mit der Zeit verabschiedet. Besonders mit dem vierten Album Re-Invent Yourself, das Dirk erwähnt hat, zeigte sich die Experimentierfreudigkeit der Band. Ein Sound zwischen 80´s Pop und 90´s Rock. Beautiful Love ist so ein Song mit viel Drive. Leicht schräg und gleichzeitig stimmig. Ich liebe die treibenden Drums, die schrillen Gitarren und die Stimmen, die fast flehend erklingen. Ich persönlich favorisiere das Debütalbum The Jeremy Days. Power und Pop, ein klein wenig an den Trend angepasst, aber nicht langweilig. Gerne höre ich auch Chasing My Crooked Shadow vom letzten Album Punk My Numbers. Da höre ich ihn wieder, meinen Sound der Jeremy Days. Ich schätze die Band aber für ihre Entwicklung und freue mich daher besonders auf das Konzert.

Wir plaudern noch eine Weile über alte und kommende Zeiten. Nach dem The Jeremy Days Konzert geht es für Dirk wieder ins Studio für das neue Soloalbum. Zusätzlich wird er auch als Dozent am BIMM Institut Hamburg tätig sein. Seine Radiosendung auf Bremen Zwei lege ich euch zusätzlich ans Herz. Wir kommen wieder auf die Veränderungen und Hürden im Musikbusiness. Vielleicht wird es immer mehr so sein, dass Musiker einen Zweitjob in einem Büro oder einer Bar zum Überleben benötigen, seufzt Dirk abschließend. Ich hoffe nicht. Doch, als sich auch der nette Barkeeper als Musiker zu Erkennen gibt, schließt sich für mich der Kreis zur Realität wieder.

Wer jetzt noch keine Karten für The Jeremy Days am 18. Januar 2019 im Docks in Hamburg hat, sollte sie jetzt bestellen. Denn es wird sicher bald ausverkauft sein.

Mehr über The Jeremy Days auf auf der Webseite von Dirk Darmstaedter, auf der Facebook-Fanepage  und Instagram. Einstimmen auf das Konzert könnt ihr euch auch über Spotify oder Youtube.

Fotocredit: Titel: The Jeremy Days, Bilder aus der REH Bar by Musicspots im Interview im Dezember 2018

One Response to The Jeremy Days – Dirk Darmstaedter über damals und heute

  1. […] Dirk Darmstaedter im Interview Ende des vergangenen Jahres ankündigte, gab es gestern ein Konzert mit Songs, wie aus der Zeit […]

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