Reeperbahnfestival_2018_ConferenceFreitag und Samstag des Reeperbahnfestival 2018 waren geprägt von intensivem Netzwerken und zahlreichen internationalen Acts. Zwei weitere großartige Tage auf der Reeperbahn in Hamburg.

Musik und Politik an einem Tisch

Der Freitag startete mit einem tollen Netzwerktreffen bei Rockcity. Der Hamburger Verein für Musiker und Musikschaffenden hatte wie jedes Jahr zur PopReception „Fish you where Here“ eingeladen. Zwischen Schnittchen und Schnaps gab es regen Austausch von Musikern, Musikschaffenden und geladenen Vertretern aus Kultur, Politik und Medien zum Thema „No Future in Music! Manifest zur Lage der Hamburger Musiker_innen“.

Gute Laune trotz Regen

Kurzzeitig schlossen wegen Regen und Sturm auch die Bühnen und Buden auf dem Spielbudenplatz und der Festivalvillage. Als das Wetter aufklarte, füllte sich die Festival-Meile am frühen Nachmittag aber wieder. Schade, dass so viele Locations ihr Türen für Konzerte erst am späteren Nachmittag öffneten. Die wenigen Clubs und Bühnen waren somit sofort überfüllt. Einlass-Stopp war leider eines der meist genannten Schlagwörter am Freitag und Samstag. Ich  nutzte die Chance kurz im Angie‘s vorbeizuschauen. „A Real Horror Story“ war einer der wenigen Conference Punkte, die ich besucht habe. Wie auch im vergangenen Jahr eine gute Chance andere Eindrücke aus dem Musikbusiness zu sammeln.

Hello Africa – hallo Reeperbahnfestival

Highlight des Tages war die Begrüßung der 15-köpfigen Delegation aus Kenia im Arcotel. Nach der Vorstellung des sich gerade stark wandelnden ostafrikanischen Musikmarktes, sang PHY die Nationalhymne Kenias und eröffnete so das Netzwerken. Das persönliche Kennenlernen von Musikerinnen, wie PHY und Muthoni Drummer Queen erweiterte meinen musikalischen Horizont. Weiterhin gab es spannenden Austausch mit Musikschaffenden aus Frankreich und England.

Musikperlen aus Brasilien und Belgien

Dann wieder Livemusik. Diesmal die volle Wucht der Rhythmen im Mojo Club mit Liniker e os Caramelows. Die Combo schaffte es das ab und an zurückhaltender Hamburg Publikum mit ihrer Mischung aus Jazz und experimentellem Gesang wirklich zu begeistern. Hüftschwung war gefragt. Da weiterhin fast alle Location überfüllte waren, haben wir uns zum Abschluss noch den Newcomer Tamino aus Belgien im Imperial Theater angeschaut. Er wurde bereits vor der offiziellen Verleihung als Favorit für den Anchor Award gehandelt und erhielt ihn auch. Ich persönlich fand Taminos Set anfangs wirklich spannend mit leicht orientalische Klängen. Zur Mitte hin, offenbarte der junge Belgier mir aber nichts neues außer wirklich schönem Gesang mit Gitarre.

Neuer Afropop von PHY

Auch am letzten Tag des Reeperbahnfestivals in Hamburg kam das schöne Sommerwetter nicht zurück. So gab es zum Start am späten Nachmittag eine kleine Dusche auf dem Weg zwischen Festival Village und Reeperbahn.

So richtig warm wurde uns erst am frühen Abend wieder beim Auftritt der Acts aus Africa. Wie erwartet heizte PHY den Besuchern gut ein. Die junge Kenianerin begeisterte mit frischem Afropop die dichtgedrängte Menge. PHY arbeitet gerade an ihrem neuen Album und hat bereits ihre erste Single „Power“ veröffentlicht. Eine ausführliche Vorstellung der talentierten jungen Künstlerin auf Musicspots folgt. Das Konzert von PHY war mein persönliches Highlight am Reeperbahnfestival Samstag. Empfehlen möchte ich noch Muthoni Drummer Queen, Ihr Set habe ich leider verpasst habe, da es wieder zu voll an der Bühne war.

Kein Soul im Indra

Gross angestrichen hatte ich mir den Auftritt von D/Troit. Die Soulband aus Dänemark wäre der Garant für einen klasse Tanzabend gewesen. Doch die Location war zu klein. Direkt nach dem Eintreten ins Indra, ging es keinen Schritt weiter. Nach zwei Songs musste ich wieder raus. Tanzen oder die Band sehen war in der kleinen Bar unmöglich. Ich hoffe D/troit kommen ganz bald wieder nach Hamburg.

Bear´s Den in der Elbphilarmonie

Den Abschluss des Reeperbahnfestivals 2018 machte dann Bear´s Den in der Elphi. Die Besucher des voll besetzen großen Saals waren großteils begeistert. Auch Sänger Andrew Davie zeigte sich sichtlich berührt und dankte mehrfach. „Bear’s Den: Fragments in Kollaboration mit Paul Frith“, ein Arrangement mit Streichern und einem Pianisten, hat nur wenige Livetermine. Mehrere Songs wurden akustisch gespielt. Besonders diese ließen die volle Schönheit der Hamburger Elphilarmonie und das gemeinsame Stimmvolumen von Andrew Davie, Kevin Jones und Joey Haynes von Bear´s Den auch auf den oberen Plätzen geniessen. Dennoch merkte man, dass dieses Konzert nicht nur mit Bear´s Den Fans besetzt war. Einige verließen den Saal frühzeitig. So ganz überzeugen könnten mich die drei Briten an diesem Abend auch nicht. Aber vielleicht war ich auch nur müde und übervoll mit Konzerten nach vier Tagen. Abschließend noch ein letzter Drink im Mojo Club, dann geht es dann heim. Vier Tage Reeperbahnfestival gingen wieder fix vorbei. Ich habe viel neue Musik entdeckt und jede Menge Spass gehabt. Fest steht: Auch im kommenden Jahr bin ich wieder beim Reeperbahnfestival dabei.

Ein kritischer Blick zurück

Trotz aller Euphorie fände ich es schön, wenn die steigende Anzahl an Besuchern ein wenig besser koordiniert werden könnte. Denn die langen Schlange und frühzeitiger Einlass-Stopp lassen bei einigen Besuchern deutlich Frust aufkommen. Man darf gespannt sein, wie das Reeperbahnfestival mit der Anforderung der steigenden Nachfrage umgeht. Und bedeuten steigende Besucherzahlen auch bessere Bezahlung für die Künstler, mehr Support für Clubs und Kultur? Wird es wieder vermehrt Auftritte von wirklich mutigen neuen Künstler geben? Ein paar Highlights waren dieses Jahr dabei, doch vieles war selbst mir nicht neu und mutig genug. Fragen über Fragen, für die es so schnell keine Antworten gibt. Ich werde auf jeden Fall weiter beobachten, wie sich das Reeperbahnfestival im kommenden Jahr präsentiert. Zusätzlich zum Wunsch nach gut gefüllten, aber nicht überfüllten Clubs, wünsche ich mir viele tolle Acts, die zusätzlich zu der Chance sich in Hamburg vor einem internationalen Publikum zu präsentieren, auch eine faire Gage für ihren Auftritt bekommen und gezielte Förderung für teilnehmende Clubs. Für ein noch bunteres vielseitigeres Reeperbahnfestival 2019!

Neue Musik entdecken

Fazit: Neue spannende Musik kommt meist aus den Ländern und von den Acts, die man nicht auf dem Zettel hat. Also lasst euch immer mal wieder treiben. Erkundet neue Weg auf der Suche nach wirklich neuer Musik.

Tickets für das Reeperbahnfestival 2019 gibt es bereits auf der Webseite. Wir sehen uns vom 18. – 21.09.2019 auf der Reeperbahn in Hamburg.

Fotocredits: Titel by Christoph Eisenmenger, Bear´s Den by Lisa Meinen für Reeperbahnfestival, alle weiteren Bilder sind von Musicspots im Rahmen des Reeperbahnfestival 2018 entstanden.

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