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Rückblick Reeperbahn Festival 2020 – Teil 2 – Auf und hinter den Bühnen

Rückblick Reeperbahn Festival 2020 zweiter Teil. Wir zeigen euch weitere Konzert-Highlights und lassen zusätzlich Profis aus der Branche zu Wort kommen. Von Pop bis Elektro hat uns das Festival begeistert und der Rückblick lässt hoffen.

Wie immer habe ich mich spontan in das eine oder andere Konzert ziehen lassen. Ich bin von geplanten Wegen abgebogen, habe so neue Musik entdeckt und interessante Gespräche geführt. Mein persönliches erste Fazit lautet daher: Auch 2020 bedeutet Reeperbahn Festival „Musik live zu genießen und sich mit anderen auszutauschen“. Natürlich immer mit Einchecken, Auschecken, Mund-Nasen-Schutz und Abstand halten. Doch besser als nix. Hier meine Konzert-Highlights aus dem Reeperbahn Festival 2020 für euch.

Highlights von Rock bis Pop

Wer auf wilde Beats steht, sollte sich Koko nicht entgehen lassen. Das Trio aus Bristol hat mich direkt begeistert. Koko eröffneten mit ihrem Gig die Fritz Bühne auf der Festival Village. Nach dem Set durften wir ein kurzes Feedback einfangen. „It was fun. We had planed so many festivals this year and we are so glad to be here,“ sagte Sänger Oliver Garland. Auch die zweite Show im Uebel & Gefährlich kam bei den Besuchern gut an. Der Auftritt ist bis zum 16.12.20 in der ARTE Videothek abrufbar.

Weit über Deutschland hinaus reicht die Bekanntheit der in Hamburg ansässigen Musikerin lùisa bereits. Dieses Jahr durfte sie auf gleich drei Bühnen ihr  kommendes neues Album vorstellen. Wunderschöner Indie Pop, der live in ihrem Arrangement. Mit ihrer tiefen melodischen Stimme füllte lùisa ebenso die großen Spielbude, wie auch den kleinen N-Joy Reeperbus am anderen Ende der Meile.

luisa_Reeperbahn_Festival_20

Bevor ich euch die weiteren Highlights beim diesjährigen Reeperbahn Festival vorstelle, lasse ich die Profis aus der Branche selber zu Wort kommen. Ich hab nachgefragt und Rückblicke aus unterschiedlichen Richtungen für euch eingefangen. Das Fazit ist sind durchaus positiv und die erschwerten Bedingungen  scheinen die Tagen in Hamburg kaum getrübt zu haben.

Die Branche blickt zurück

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Miu (Musikerin, Germany)

„Ich bin dankbar, dass ich das erste Mal beim RBF spielen durfte und auch eine tolle Bühne hatte. Unser Auftritt war sehr viel herzlicher als ich es bei doch oft übersättigtem Festivalpublikum erwartet hätte! Dem RBF Team gebührt ein großer Dank und Kompliment, dass das Festival mit einer logistischen Meisterleistung trotzdem durchgezogen wurde – auch, wenn uns alle die Sicherheitsregeln irgendwie nerven. Ich fand es ein wichtiges Signal, dass RBF trotz Corona stattfinden zu lassen. Nichts desto trotz: ich empfinde alle Konzerte derzeit als großen Kompromiss für Künstler, Publikum und Veranstalter. Richtig unbeschwert geht da nichts und wirtschaftlich ist das alles natürlich eine Vollkatastrophe.“

Fenja Möller (Bookerin / Molotow Club Hamburg)

„Für uns war es eine spannende Erfahrung beim diesjährigen Reeperbahn Festival mit dabei zu sein. Die Hauptaufgabe war dieses Jahr eine komplett andere, als die Jahre zuvor. Sonst hatten wir um die 80 Bands an 4 Tagen auf 4 Bühnen bei uns. Dieses Jahr haben wir nun die SkyBar zu einem zweiten Backstage umfunktioniert, damit auftretende KünstlerInnen sich nicht begegnen und nur insgesamt 16 Bands auf 2 Floors bei uns im Haus. Die Sicherheit aller stand im Vordergrund, weshalb der Laden, sowie auch die Backstagebereiche, häufiger desinfiziert werden mussten und alle Gäste auf die Maskenpflicht hingewiesen werden mussten. Insgesamt konnte das Konzept aber gut umgesetzt werden und Gäste haben sich an die Regeln gehalten. Aus den Erfahrungen vom Reeperbahn Festival konnten wir jetzt auch einige neue Erfahrungen für zukünftige Events mitnehmen und hatten das erste Mal seit Mitte März eine Veranstaltung im Club, da das RBF ein Konzept für diesen Raum geschrieben hat, welches es vorher nicht gab.“

Jan Rubach (Produzent/Tontechniker/Musiker/ Rkrdr Studio)

„Es war schön mal wieder einen Live Job zu haben und Kollegen und Musiker zu treffen. Ich hoffe, es werden noch mehr Veranstaltungen folgen bei denen weitere Lockerung durch die Erfahrungen des RBF möglich werden. Was aber auch dieses Jahr wieder auffällig war, ist das trotz der Corona Krise nichts anders läuft, als die Jahre zuvor. Es werden zu wenig lokale und nationale Bands präsentiert, was aber in Deutschland ein grundsätzliches Problem zu sein scheint. Die Musik Dienstleister Branche ist top aufgestellt, aber die Grundstrukturen und Möglichkeiten für Kreative sind jedoch immer noch unzureichend. Beginnend bei der Akzeptanz des Musiker/Künstler Seins als Beruf, bis zur Förderung durch den Staat. Kunst und Kultur wird so wenig gewertschätzt als in anderen europäischen Ländern.  Aus meiner Sicht, sind  Gesellschaft und Staat weiter in der Pflicht Ideen und Lösungen mit den Kulturschaffenden für die Zukunft zu erarbeiten. Durch diese Krise wurden systemische Probleme nur noch deutlicher.“

Melanie Gollin (Musikjournalistin/ Head Of Marketing bei Made Records)

„In den vergangen Jahren war ich oft als Musikjournalistin auf dem Festival. Ich beneide die Leute nicht, die diesmal in dieser Rolle unterwegs waren: Das so geliebte Konzerthopping war durch die strengen Vorschriften verständlicherweise nicht möglich, wodurch einiges an Reiz verloren ging. Ich war diesmal als Promoterin/Label Representative mit der Band KOKO da. Für die war es wunderbar, die waren ausgehungert und dankbar für die Chance, live zu spielen. Aus Label- und Promoperspektive war es für uns aber eine Verlustrechnung. Nur ein winziger Bruchteil der Musikbranchenvertreter*innen war vor

MelanieGollin_by_Claudia_Goedke

Ort, es gab zu wenig Promo-Möglichkeiten und für mich fast keinerlei Gelegenheit wichtige Kontakte zu vor allem internationalen Publisher*innen, Booker*innen etc. zu knüpfen. Für uns hat sich das vor Ort sein nicht besonders gelohnt, aber ich bin sehr froh, dass viele Leute dafür gearbeitet haben, dass ich zu dieser Erkenntnis kommen durfte – denn hätte das Reeperbahn Festival nicht stattgefunden hätten wir ihm alle nachgetrauert, so sind vielleicht viele zum Entschluss gekommen, dass es momentan einfach besser ist, die Füße still zuhalten oder eben noch radikaler umdenken müssen.“

Francesco Cetraro (Founder of GigsGuide)

„After 6 months of no travel and no live music, just the idea of coming to Hamburg for a quick visit was an absolute treat. Considering the situation, I had very low expectations for Reeperbahn Festival and I was just happy to get to see some live music. The atmosphere around the festival was indeed eerie: not a lot of people around, and all the check-ins and the social distancing were definitely a killjoy. And yet, in spite of all the odds, the artists did an amazing job and managed to connect with the audience and bring joy to our hearts. I was particularly happy to discover Blond, a really cool German band who delivered a really great show! I long for the time I get to see them again and dance under the stage!“

Wir hören viel Dankbarkeit und Freude über das stattgefundene Festival in diesen wirklich schwierigen Zeiten. Aber auch die Skepsis klingt weiter mit. Denn wir sind uns alle bewusst, dass diese vielen Konzerte innerhalb von vier Tagen auf verschiedenen Bühnen ein Sonderfall gewesen  sind. Es ist der Versuch neue Wege zu gehen und etwas auszutesten. Ein erster Schritt, vielleicht ein kleiner Anfang. Viele der Konzerte sind nun in der Reeperbahn Festival Videothek und bei ARTE abrufbar. Ich persönlich finde aber, dass sie kaum das echte Livemusik Erlebnis abbilden. Denn mindestens eines meiner schönsten Reeperbahn Festival Erlebnisse ist nicht für die Daheimgebliebenen auf Video gebannt wurden. Der Auftritt des Isländers Daði Freyr, der auf jeden Fall noch mal sehenswert wäre. Hier noch meine beiden weiteren Konzert-Highlights für euch.

Vom Elektro-Funk bis zu frechem Deutschpop

Es ist wirklich schade, dass der diesjährige Eurovision Song Contest nicht stattgefunden hat. Wir wären bereits in die volle Portion musikalischem Wahnsinn von Daði Freyr gekommen. Nun konnte dies nur ein kleiner Kreis geniessen. Mich hat der Isländer vom ersten Beat bis zum letzten Ton überzeugt. Das Zusammenspiel mit seinem Gitarristen und der Drummerin, wie auch mit dem Publikum war eine wahre Freude. Schwer gefallen ist nur nur das Sitzenbleiben im Mojo Club, wobei Daði Freyr es uns mit lustigen Moderationen ein wenig leichter gemacht. Eine Show zwischen Comedy, Konzert und Festival, gern ganz bald wieder.

Von BLOND sind wir ja einiges gewohnt. Dementsprechend hoch waren die Erwartungen für den Auftritt auf dem Reeperbahn Festival. Wir wurden nicht enttäuscht. Gestartet mit dem „Bühneneinlauf“ als Polonaise, der dreimalige Kostümwechsel (ohne die Bühne zu verlassen) und die agilen Tän.. äh nein Pantomie-Künstler, ließen uns die Show mehr als geniessen. Wie das Trio uns trotz Tanzverbot zu Bewegung zwang, zum Mitgröhlen bewegte und uns zum Schluß  meinen Favoriten Spinaci aus einer Rundum-Glücklich-Show entließ, könnt ihr noch auf der Reeperbahn Festival Videothek erleben.

Dadi_Freyr_Reeperbahn_Fstival20
BLOND_by_Tom_Heinke

Netzwerken auf der Reeperbahn

Ich persönlich bin auch dankbar, dass dieses Festival stattgefunden hat. Viel zu kurz gekommen ist dieses Jahr leider das online Programm und somit die Konferenz. Ich habe mich dafür endlich wieder mit Bekannten neben den Bühnen getroffen und ausgetauscht. Menschen, die man in den vergangenen sechs Monaten nur via Messenger oder Telefon gehört oder gelesen hat. Besonders großartig war das spontane Treffen mit dem Messed!Up Magazin und Renes Redekiste . Den direkten Austausch mit anderen Magazinen sollten wir regelmässiger machen. Super war es auch endlich mal mit Lina von MonaLina Promotions über female HipHop zu schnacken. Hier tut sich gerade wahnsinnig viel. Wer noch immer nicht in ihr Projekt 365 female MCs reingeschaut hat, sollte das jetzt nachholen. Mit dieser Empfehlung verlasse ich den Spielbudenplatz und das Reeperbahn Festival für dieses Jahr. Wir sehen uns hoffentlich nächstes Jahr wieder.

Ihr habt noch immer nicht genug vom Reeperbahn Festival 2020? Dann lest unseren 1. Teil des Rückblicks hört doch nochmal durch unsere Playliste auf Spotify, folgt uns auf Instagram, Facebook oder Twitter. Gerne könnt ihr uns auch immer Tipps per Mail zusenden. Wir freuen uns auf den Austausch mit euch.

Fotocedits: BLOND by Tom Heinke; alle weiteren Bilder by MUSICSPOTS im Rahmen des Reeperbahn Festivals 2020

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About the Author /

Musik ist meine Sonne für die Seele, mein Motor in den Tag, die Wiege in den Schlaf oder auch die optimale Begleitung durch eine kalte nebelige Nacht in Hamburg und der Welt. Ohne Musik geht es nicht. Mit auf jeden Fall immer besser. Daher gibt es diesen Blog.

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