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MS Dockville 2025 Rückblick Part 1: Musik, Kunst und ganz viel Glitzer

Ein Festival der besonderen Art

Das MS Dockville Festival in Hamburg-Wilhelmsburg zählt seit Jahren zu den besonderen Terminen im Festival-Sommer. Auch 2025 zeigte sich das Gelände wieder als bunte Mischung aus Musik, Kunst und Begegnung. Am ersten Tag werden wir Lina-Mariah, Kaboushé, Raye und vielen anderen zuhören. Und tanzen, sehr viel tanzen.

Lina-Mariah eröffnet im Butterland

Den musikalischen Auftakt machte Lina-Mariah im Butterland, einer kleinen Bühne mit schillerndem Bühnenaufbau. Die Preisträgerin des Krach&Getöse Awards 2025 präsentierte Pop-Punk mit Grunge-Anklängen und traf damit einen Nerv. Ihr Sound weckt Erinnerungen an die Nullerjahre. Musikalisch ist das nicht neu, aber erfrischend direkt umgesetzt. Ihr Auftritt zeigte, dass junge Künstlerinnen dieses Genre neu für sich interpretieren können. Ich wusste gar nicht, wie sehr mir diese Art von Musik gefehlt hat.

Frytz begeistert auf dem Vorschot

Auf der zweitgrößten Bühne, dem Vorschot, folgte Frytz. Alleine mit Gitarre und Soundmaschine überzeugte er durch seine rauchige, markante Stimme. Binnen kurzer Zeit war der Platz vor der Bühne gefüllt, das Publikum textsicher und begeistert. Das Risiko, so einen reduzierten Act auf diese große Bühne zu holen, hat sich ausgezahlt. Seine Mischung aus Intimität und Präsenz funktioniert auch auf der großen Fläche. Songs wie 3 Kreuze und Augen schwer bleiben definitiv auf meiner Playlist.

Talk im Tentakel: „Matilda meets Moé“

Neben Musik bietet das MS Dockville traditionell auch Raum für Gespräche und Diskurs. Im Zirkuszelt Tentakel traf YouTuberin Matilda auf Rapper Moé, ebenfalls Krach&Getöse Preisträger 2025. Gemeinsam sprachen sie über Textarbeit, künstlerische Anfänge und den teils toxischen Einfluss sozialer Medien. Das Gespräch war unterhaltsam und zugleich nachdenklich, weil es zeigt, wie sehr digitale Plattformen heute den Druck auf Künstler*innen erhöhen können. Moé sprach offen über den Druck, sich online permanent sichtbar machen zu müssen. Das Gespräch zeigte, wie sehr Kunstproduktion heute von digitalen Plattformen beeinflusst wird – eine inhaltliche Bereicherung des Programms, die über eine reine Unterhaltung hinausging.

Hymnischer Alternative Rock und Energie: Good Neigbours & Kabeaushé

Zurück auf dem Vorschot traten Good Neighbours mit eingängigen hymnischen Alternative Rock auf. Ihre Musik passte perfekt zum sonnigen Nachmittag – leicht, tanzbar und angenehm zugänglich.

Ganz anders wenige Stunden später im Tentakel: Kabeaushé brachte das Zelt mit seiner Energie zum Kochen. Das Publikum sprang auf Kommando, die Clubatmosphäre war greifbar. Ein Künstler, der uns schon beim Reeperbahn Festival 2024 auffiel und dessen angekündigtes Album mit Spannung erwartet werden darf.

Vielfalt auf der Hauptbühne: Paula Carolina, The Last Dinnerparty und Raye

Auf der Hauptbühne, dem Großschot, spielte zunächst Paula Carolina. Mit ihrem deutschsprachigen Indie-Pop mit Future-Punk Einflüssen erreichte sie vor allem ein jüngeres Publikum, das ihre Songs textsicher mitsang.

Deutlich aufwendiger war der Auftritt von The Last Dinner Party. Kostüme, ein Bühnenbild mit griechischen Säulen und einer sehr stilisierten Performance prägten das Konzert. Mir persönlich erschien es fast zu perfekt, zu sehr inszeniert und unnahbar – doch die Menge feierte die Band begeistert. Damit erfüllte sie klar die Erwartungen an einen großen Festivalact.

Den Abschluss des Abends setzte Raye als Headliner. Mit Bläser-Section, zwei Schlagzeugern und weiteren Musiker*innen und Backgroundsänger*innen präsentierte sie eine Show mit einem Mix aus RnB, Soul, Jazz und elektronischen Elementen. Musikalisch anspruchsvoll und zugleich publikumsnah. Ein gelungener Abschluss des ersten Festivaltages.

Foodcourt, elektronische Beats und ein Geheimtipp

Der konsequent vegetarisch-vegane Foodcourt war eine bewusste Entscheidung der Organisator*innen des Festivals, Kopf & Steine. Die Preise sind festivaltypisch, die Auswahl vielfältig, die Schlangen teilweise sehr lang. Nachhaltigkeit bleibt auch so kulinarisch ein zentrales Thema.

Neben den großen Bühnen waren die elektronischen Areas wie das Nest und das Tiefland wieder stark besucht. Ordentlich Nebel, Beats und ein buntes Publikum machten diesen Bereich zu einem festen Anlaufpunkt vieler Besucher*innen – für uns auch.

Zum Abschluss des Abends sorgte im Tentakel Abiba für ein Highlight. Ihr DJ-Set mischte Hip-Hop-Edits, Afrobeats, Drill und elektronische Beats zu einem eigenen Klangbild, das weit über das klassische Auflegen hinausging.

Fazit

Der erste Tag des MS Dockville 2025 bestätigte einmal mehr den besonderen Stellenwert des Festivals: eine Mischung aus gut kurartiertem Line-Up, künstlerischen Installationen und inhaltlichen Angeboten wie Talks. Organisation und Atmosphäre überzeugte, und wenn auch nicht jeder Act jeden Geschmack traf, zeigte das Programm die Vielseitigkeit aktueller Musikströmungen.

Kurze Wege, eine entspannte Atmosphäre und freundliche Security prägen den ersten Tag. Besonders positiv: Der Timetable ist zuverlässig – jedes Konzert beginnt pünktlich.

Einen Wunsch habe ich dennoch: Man achtet so sehr auf Awareness, Nachhaltigkeit und Barrierefreiheit und doch sieht man keine Gebärdensprachendolmetscher*innen auf den Bühnen. Wie wärs damit beim nächsten Mal, denn auch wenn man die Musik nicht hören kann, man kann sie fühlen. Wäre doch toll, wenn man die Texte auch noch verstehen könnte.

Meiner Meinung nach ist das MS Dockville damit ein extrem gut organisiertes Festival, ohne dabei seine kreative und lockere Stimmung zu verlieren.

Das MS Dockville bleibt damit ein Festival, das gleichermaßen Raum für Entdeckungen, große Namen und gesellschaftliche Impulse bietet.

Tag 2 – Caro, bitte übernehmen Sie.

Fotocredits: Andreas Seibert-Wussow