Drei Tage, drei Clubs, je drei Acts: Das ist das Klangkosmos Festival. Ein Hamburger Musikfestival, das nicht nur Musiker*innen und Bands aus Hamburg eine Bühne bietet, sondern vor allem Musikfans die Möglichkeit gibt, neue Musik live zu entdecken und sich in lockerer Atmosphäre auszutauschen.
Vom 28. bis 30. Juni 2026 war es wieder soweit: Zum zweiten Mal öffneten sich die Türen der Clubs und ich kann es vorwegnehmen: Es waren wieder drei besonders schöne Abende.
Wie eine Familienfeier mit viel Musik
Der Klangkosmos soll die Bandbreite der Musikstadt Hamburg sichtbarer machen. Im Lineup sind unabhängige Band aus Hamburg, die ihre Musik zu moderaten Ticketpreisen präsentieren. Auch dieses Jahr zeigte sich eine Mischung aus Indie‑Pop, Folk und Rock. Hamburg klingt aktuell nach vielen Gitarren, der Gesang ist mal deutsch, mal englisch.
Tag 1 – Folk bis Fansein
Gestartet wurde in der Prinzenbar. Der kleine Club an der Rückseite der Reeperbahn mit seinen stuck-verzierten Decken war der perfekte Ort für die drei Acts des Abends. Amber & The Moon, OVE und Antje Schomaker sorgten nicht nur dafür, dass der erste Abend als erstes ausverkauft war. Die eng gedrängten Gäste zeigten auch: 25 Grad Außentemperatur halten echte Musikfans nicht davon ab, in den Club zu gehen. Moderatorin Kathrin Ost brachte es auf den Punkt: „Ihr habt den Kampf gegen die Couch gewonnen, ihr dürft uns uns euch feiern.“
Amber & The Moon spielten nicht nur zahlreiche Stücke ihres aktuellen Albums Are We Alright. Sängerin Ronja Pöhlmann brachte auch ein neues Stück mit, das selbst ihre Band noch nicht kannte. Diese besondere Gelegenheit, Musik in einem frühen Stadium zu hören, gibt es einfach nur auf solchen kleinen Konzerten. Der sanfte Folk-Pop mit dem harmonischen Gesang war ein toller Start in das Clubfestival.
Auch Musiker OVE, der zweite Act des Abends, erzählte offen von seinen Plänen und blickte gleichzeitig häufig zurück. Für mich als neuen Fan war es schön zu erleben, wie ein Musiker mit neuer Band und neuen Songs ein Publikum begeistert. Es wurde dirket mitgesungen und gelacht. Die Mischung aus ehrlichen und humorvollen deutschen Texten von Ove Thomsen ist großartig und macht Spaß. Die neue Single „Zwischen den Entgleisten“ mit Kollegin WIM klingt gut und ist natürlich in der MUSICSPOTS‑Playlist zu finden.



Den Abschluss des Abends machte Antje Schomaker. Schon beim Betreten des Clubs hatte ich das Gefühl, dass viele Gäste extra für sie gekommen waren. Lange war es still um die Musikerin gewesen, und so war dieser Abend ein besonderer für ihre Fans und ganz sicher auch für sie selbst. Offen erzählte sie von den vergangenen Monaten, in denen sie sich selbst eine Kündigung ausgestellt hat, um eine Pause von der Branche und dem ständigen Trubel zu machen. Nur in Begleitung ihrer Gitarristin spielte Antje Schomaker ein kleines Set mit Songs, die perfekt zum Anlass passten. Von Ich muss gar nichts“ bis zum neuen Stück Mascara war alles dabei, um auch mich Teil der Antje Schomaker Fangemeinde werden zu lassen. Bisher hatte ich zwar „Auf Augenhöhe“ in Dauerschleife gehört, nun habe ich diese Musikerin noch einmal ganz anders kennenlernen können.
Tag 2 – Hamburg klingt nach Gitarren
Das Molotow auf der Reeperbahn ist, egal an welcher Adresse, für gute Rockmusik bekannt. Die aktuelle Location an der Reeperbahn 138 ist so historisch wie viele Abende hier: Ehemals als Top Ten Club bekannt, spielten dort schon die Beatles. Auch an diesem Abend wurden die Fans nicht enttäuscht. Die drei Acts brachten laute Musik, viele Gitarren und ließen das Publikum tanzen und springen.
Den Start machte Veigh Malow. Indie‑Pop mit Rock‑Kante trifft auf knallbunte Outfits, und ich fühlte mich sofort in meine 90er mit Gwen Stefani zurückversetzt. Von Beginn an wurde ungezwungen mitgesungen, und Veigh Malow ließ sich auch nicht davon abhalten, dass ihre Schuhe sich im Verlauf des Sets buchstäblich auflösten. Auf Socken rockt es sich schließlich genauso gut über die Bühne. In den vergangenen Jahren hat sie konstant EPs veröffentlicht, und man merkt, dass ihr Indie‑Pop mit einer guten Spur Rock beim Publikum ankommt. Das Set besteht fast ausschließlich aus Songs, die im Ohr bleiben. Anspieltipp: „I’ll Take the Cake“ oder „Check on Check“.



Der zweite Act des Abends, This Time For Real, zeigte mit ihrem Debütalbum Fuck Heartbreak I’m Over It eindrucksvoll, dass Hamburg wirklich nach Gitarren klingt. Treibende Beats, laute Riffs und Drums und der Gesang von Sämgerin Fee bildeten ein rundes Paket. Ich muss ehrlich sagen: Auf dem Sofa hat mich diese Hamburger Band bisher nicht abgeholt. Live im Molotow haben sie es jedoch direkt geschafft. Ein klasse Zusammenspiel, bei dem jedes Bandmitglied zeigen konnte, was es kann, und gleichzeitig die Band als Einheit überzeugte. Wer auf Rockmusik „made in Hamburg“ steht: bitte sehr.
Lina‑Mariah machte den Abschluss dieses zweiten Abends. Diese Newcomerin müsst ihr laut hören und sie gehört einfach in einen Rockmusik Club, wie das Molotow. Mit einem Sprung von der Monitorbox auf die Bühne startete die Gewinnerin des KRACH+GETÖSE‑Musikawards 2025 ihre Show. Zuletzt live erlebt hatte ich sie beim Reeperbahn Festival im September 2025. Seitdem hat Lina‑Mariah zahlreiche internationale Konzerte gespielt und ihre bereits damals großartige energiegeladene Show weiter perfektioniert. Selten sind Emotionen, wie Wut, Traurigkeit und Verzweiflung, so spürbar in Musik wie hier. Bereits vor Beginn sammelte sich eine Fangemeinde vor der Bühne. Es ist schön zu sehen, dass auch diese Generation wieder Idole hat und gemeinsam in Clubs geht. Ich schätze diese junge Musikerin für ihre enorme Energie und ihr Talent, ihre Gedankenund Gefühle in Texte und Musik zu packen. Auch wenn es Lina‑Mariah nicht in meine Sofa‑Soundtracks schafft, aber ich glaube, wir werden alle noch viel von ihr hören. Für alle mit gebrochenem Herzen: dreht I Don’t Wanna Go“ laut auf.
Dritter Abend – Zwischen Pop und Indie‑Rock
Am dritten Abend hatte ich das Gefühl, das Klassentreffen würde einfach nur wieder die Location wechseln. Viele vertraute Gesichter aus den vergangenen Tagen tauchten wieder auf, man nickte sich zu, kam ins Gespräch. Das kleine Turmzimmer über dem Übel & Gefährlich im Feldstraßenbunker war ausverkauft, immer wieder zog Nebel über die Bühne, auf der die drei Acts des Abends spielten.
Den Auftakt machte MIK. Der Hamburger Newcomer hatte eine kleine, aber textsichere Fanbase dabei, die ihn und seine dreiköpfige Band durch das Set trug. Wirklich schöne Indie‑Pop‑Stücke, die mit einfachen Refrains im Ohr bleiben und durch ihren klaren Songaufbau viele sicher im Alltag begleiten werden. MIK macht Musik zum Träumen, für Parties oder einfach für Wege durch die Stadt. Zwischendurch hatte ich bei MIK kurz das Gefühl, eine etwas zu perfekte Show zu erleben. Aber vielleicht lag das aber auch schlicht daran, dass man nicht jeden Tag auf einer ausverkauften Bühne steht.
Auf Annie Chops hatte ich mich an diesem dritten und leider letzten Abend besonders gefreut. Ähnlich wie bei Antje Schomaker war es um sie länger still gewesen. Annie Chops erzählte offen, dass das Musikbusiness alles andere als ein schöner Ort sein kann. Für Fans ist Musik dank Streaming überall verfügbar, für Musiker*innen und Bands hat sich der Erwartungsdruck auf den nächsten Hit in den vergangenen Jahren jedoch massiv erhöht. Also hat sich Annie Chops Zeit gelassen, Musik wieder zu fühlen und neue Songs zu schreiben. An diesem Abend gab es erstmals eine Auswahl an neuer unveröffentlichter Songs. Die Musikerin hat eine wunderbare Stimme und ein feines Gespür für Rhythmus und Melodien. Es ist eine Freude, ihr zuzuhören und zuzuschauen, wie sie mit ihrer Loop‑Station auf der Bühne Stück für Stück Musik entstehen lässt. Ich liebe auch die Selbstverständlichkeit, mit der sie als werdende Mutter ihrem Beruf weiter nachgeht. In dieser nach wie vor von Männern dominierten Welt ist das immer noch ein Thema. Lasst uns das ändern und die Musikszene auch hier zu einem besseren Ort machen.
Als letzter Act betraten Agassi die Bühne. Die fünfköpfige Band wird zu Recht als Supergroup bezeichnet, da einige Mitglieder aus bekannten Bands stammen, unter anderem Mark Tavassol (u. a. Wir sind Helden) oder Nina Müller (Jupiter Jones). Für mich passt die Bezeichnung Supergroup vor allem, weil sie eine großartige Liveshow auf die Bühne bringen. Der Auftritt beim Klangkosmos war für die Band eine Art Pre‑Release‑Show für ihr am 05.06. erscheinendes Album „Arcade Melodies“. Mit ihrem Indie‑/Post‑Punk‑Style haben sie das Turmzimmer zum Abschluss des Festivals noch einmal ordentlich zum Wackeln gebracht.



Mit der Aftershow‑Party und einem DJ‑Set von Larina klang das Festival schließlich aus. Drei Tage, jeweils drei Live‑Acts in drei Hamburger Clubs – das hat wieder zahlreiche Musikfans glücklich gemacht. Ich habe persönlich neue Musiker*innen und Bands entdeckt und freue mich auf neue Veröffentlichungen und kommende Konzerte.
Ein besonderer Dank für diese drei Tage geht an Wiebke Kruse und Sebastian Krol, die das Festival unabhängig von großen Veranstaltungs‑Playern organisiert haben. Wer jemals eine Konzertreihe verantwortet hat, weiß, wie viel Arbeit vom Booking bis zur Promo anfällt, bevor sich die Türen öffnen können. Glückwunsch zu dieser tollen zweiten Ausgabe. Danke auch an Kathrin Ost für die Moderation und an Anke für die unermüdliche Social‑Media‑Begleitung und all die Helping Hands neben udn hinter der Bühne. Es hat wieder viel Freuede gemacht dieses Festival als Medienpartner zu begleiten.
Ich habe mich sehr gefreut, dass zwei von drei Abenden ausverkauft waren. Für alle, die keine Tickets bekommen haben, daher nochmal der Tipp: Kauft frühzeitig Tickets frühzeitig. Damit unterstützt ihr nicht nur Musiker*innen, Bands und Veranstaltende. Ihr erhaltet auch die Club‑ und Kulturszene und habt gleichzeitig die Garantie für einen wunderbaren Abend mit tollen Menschen und guter Musik.
Ich hoffe sehr, dass das Klangkosmos Festival 2027 in eine dritte Runde geht. Die Vielfalt der Hamburger Musik ist noch lange nicht auserzählt. Ich höre mich gerne weiter durch Soul, R’n’B, HipHop und Elektro-Beats aus der Stadt an der Elbe.
Ihr habt noch einen Livbemusik Tipp für und? Immer her damit. Vielleicht passt er ja für ein nächstes Feature im TALK & LISTEN Podcast. Alle News rund um Musik gibt es für MUSICSPOTS Community Mitglieder via Steady. Hier geht es lang.
Fotocredit by Caro Schwarz




