Cappu mit JK Jazzclub Regensburg

HipHop mit deutschen Texten – Rapper Cappuccino im Talk

Anfang der 90er Jahre wurde HipHop mit deutschen Texte salonfähig. Aber was machte die Musik aus, die aus Amerika zu uns überschwappte? Im Gespräch mit Rapper und Radiomoderator Cappuccino schauen wir zurück auf die Anfangszeiten des deutschen Sprechgesangs.

Zwischen Rap und Pop

Cappuccino, kurz Cappu (aka Karsten Löwe) ist Rapper und festes Mitglied der Braunschweiger Jazzkantine. Seine Texte gehen leicht ins Ohr, klingen locker und sind oft mit einer Brise Ironie gewürzt. Mitwippen und mitsprechen fällt leicht, denn Cappu erzählte in seiner Sprache, was ihn bewegt. Als Schmuserapper belächelt wurde er u.a. mit einer Goldenen Schallplatte ausgezeichnet.

In Braunschweig aufgewachsen und noch heute dort daheim, arbeitet der Musiker auch im lokalen Radiosender Radio 38. In Zeiten der weltumspannenden Krise wurden auch im Radio die Abläufe angepasst. „Es ist auf der einen Seite weniger Zeit für die selben Inhalte“, sagt Cappu eingangs in unserem Telefonat. „Auf der anderen Seite gibt einem dies  Zeit in die Vergangenheit zu schauen. Ich stöbere aktuell wieder alte Festplatten durch und  finde Stücke, die ich nie veröffentlicht habe. Zusätzlich schicken mir Freuden Sachen zu, die wir fast vergessen hatten.“ Auf seiner Facebook-Pinnwand und bei Youtube werden diese Schätz wieder sichtbar gemacht. Auch mich hat dies bewogen, in der Zeit zurückzublicken und das lange aufgeschobene Gespräch mit dem Rapper der Jazzkantine zu führen.

Wie fing das damals an mit dem Rap auf deutsch, will ich wissen. „Bei uns daheim war immer was los“, erzählt Cappu frei heraus. „Meine Mutter hat mich allein aufgezogen. Wir hatten es nicht leicht. Es war aber immer etwas los daheim. Ständig Besuch, Party mit Gästen und Musik aus Italien, Türkei, Deutschland, bunt gemischt und laut ging in der Weststadt zu. In der Schule war ich mehr der Pausenclown. Ich übte mich in Breakdance und Rap. Musik war immer an meiner Seite.“

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Welche Musik hat dich am meisten beeinflusst? „Ami Rap und Soul zu gleichen Teilen“, sagt Cappu und das ist deutlich zu hören. Sein Song „Dir Mama“ ist von  2 Pac´s Dear Mama inspiriert. Die Musik von Cappu hat aber durchaus etwas eigenes. „Was ist zuerst da, der Text oder der Beat“ frage ich weiter. Das kommt drauf an“, sagt Cappu: Bei „Du fehlst mir“, hatte ich Janet Jacksons „That´s The way Love Goes“ im Ohr und auch der Text ist an den Song angelehnt. Der Song dreht sich nicht um ein bestimmtes Mädchen, es geht um das Gefühl des Verliebtseins. Anders ist es bei Regenbögen – hier ging es wirklich um ein Mädchen, mit dem ich zusammen war und das eine schwere Zeit hatte. Hier ging es mir darum ihre Story zu erzählen.“

Text und Beat passen

Der Anzug ist bis heute sein Markenzeichen. Er hat Songs veröffentlicht, die auf die Kuschelrock Sampler passten und ganz oben in den Charts platziert wurden. Die Frage, ob die Musik von Cappu wirklich HipHop sei, war damals sicher oft umstritten. Aber Rap ist halt Sprechgesang und der geht auch in deutsch. Es muss nicht immer zwingend politisch sein. Rap muss nicht immer verletzen und mit vielen Schimpfwörter gespickt sein. Ich persönlich finde es viel intelligenter den Text für Anspielungen zu nutzen oder den Reim so einzusetzen, dass er zum Mitdenken anregt. Während meiner Recherche bin ich auf den Song „Komm korrekt“ gestoßen und musste bei Zeilen, wie „Das ist deutsche Hecke und kein Shit aus Jamaica“, herzlich lachen. Unterlegt mit einem typischen Beat, ist es für mich einer der Songs der Deutschrap ausmachte. Eine Story ironisch in Musik verpackt.

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„Ich gehörte eher zu dieser Gegenbewegung,“ erzählt Cappu in unserem Telefonat. „Ich fühlte mich den Fantastischen Vier näher, lernte den Wolf kennen und wir hingen zusammen ab. Es wurde getextet und gefeiert. Meinen ersten Song schrieb ich in englisch. Es war ein Anti-NKOTB Song für meine damalige Freundin, aber ich merkte, das englisch nicht meine Sprache war. Mein erster Deutschrap war ein Anti-Rechts-Statement. Ich hörte viel Public Enemy, aber gleichzeitig auch Barry White. Aber eigentlich bin ich kein politischer Rapper.“  Für mich ist Cappu ein Textakrobat, ein Musiker mit Gefühl für Rhythmus und Sprache. Seine Texte sind knackig, kurz und werden vom Beat geführt. Die Worte fließen, sie haben Aussage ohne zu verletzen und bleiben im Kopf und im Ohr hängen. All dieses macht seine Songs bis heute aus.

HipHop mit Jazz

Als die Zusammenarbeit mit Mercury für ihn nicht mehr passte, kam der Wechsel für Cappuccino. Weiter ging es im Tourbus mit der Jazzkantine. Gemeinsam mit einer Crew aus Jazzern, die Musik anders machten. Eine Combo, die ihn sehr geprägt hat. Hier ging es plötzlich nicht mehr um den Solokünstler Cappu, sondern darum, gemeinsam auf einer Bühne zu stehen und zu performen. Ein Teil von etwas zu sein, Hand in Hand Musik zu machen. „Ich habe damals schnell viel in diesen ersten Fahrten im Tourbus über das Leben und das Musikmachen gelernt. Die Jazzkantine war vom ersten Moment an hochprofessionell und hat mich sehr geprägt,“ berichtet Cappu. Inzwischen sind sie seit über 25 Jahren gemeinsam unterwegs und es gibt immer wieder lokale Projekte in Braunschweig, die schneller ausverkauft sind, als man gucken kann. 

Auch mich hat die Jazzkantine vom ersten Album an stark geprägt. HipHop mit deustchen Texten und Rap mit Jazz. Eine Kombi, die ich nie mehr vermissen möchte. Sie grooved ordentlich und Cappu mittendrin.  Immer in der Favoritensammlung an erster Stelle das Album heiß & fettig mit dem Song „Tic Tac, das Leben ist mein“. Grossartig geworden ist auch der Song „Lass Sie doch“ aus dem aktuellen Jazzkantine Album Mit Pauken und Trompeten. Genau hier in diesen beiden Songs zeigt sich die Fähigkeit von Cappu aktuelle Themen perfekt in Reime  zu packen. Das, genau das ist für mich deutscher Rap.

Cappuccino_by Marek_Kurszewski

Cappuccino im Livetalk

Ihr wollt noch mehr über HipHop damals und heute plaudern? Dann schaltet am Dienstag den 21.07.20  um 12:10 Uhr bei Never Lunch Alone auf Instagram ein. Cappu plaudert mit uns und euch live in der Mittagspause.

Bevor wir das Telefonat beendet, frage ich ihn nach seinen 3 Lieblingstracks zwischen 1995 und 2000. „Stell dir vor, du könntest drei Songs auf ein Tape bannen, die für dich die Musik in diesen Jahren symbolisieren?“ Cappu überlegt nur kurz und sagt dann:

  • Dr. Dre, Snoop Dogg – Nutghin` But A „G“ Thang 
  • 2Pac – Hellrazor
  • Boys II Men – End Of The Road


„Dann haben wir was für die Party, was zum Cruisen und zum Kuscheln“
lacht Cappu. Ein kleiner Soundtrack für einen Abend in Braunschweig Ende der 90er, der auch heute noch passt.

Mehr über Cappuccino erfahrt ihr über seine Facebook Seite, bei der Jazzkantine und auf seinem Youtube Kanal.

Fotocredit: Titel Cappuccino mit der Jazzkantine im Jazzclub (2014), Cappu als Punkt by Marek Kurszewski. Die Erlaubnis der Verwendung der Bilder im Rahmen des Berichtes wurde vom Künstler persönlich erteilt.

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