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Fieh – „In the Sun in the Rain“: Ein Album über die Höhen und Tiefen des Lebens

Die norwegische Band Fieh veröffentlichen ihr zweites Album In the Sun in the Rain und bieten mit ihren orchestralen, funky und experimentellen Songs eine aufregende Platte, die aus dem Leben erzählt.

Fieh bleiben ihrem Stil des Future Soul treu

Fieh verdanken ihren Namen dem Spitznamen ihrer Sängerin und Songwriterin Sofie Tollefsbøl. Waren sie zu Beginn noch als Trio unterwegs, so ist die Band mittlerweile auf sieben Mitglieder angewachsen. Internationale Erfolge erzielten sie 2017 mit ihrer Single Glu. Nach ihrem Debütalbum Cold Water Burning Skin aus dem Jahr 2019 veröffentlichen sie nun ihr neues Album In the Sun in the Rain. Dabei bleiben sie ihrem Genre des Future Soul treu. Auf ihrem zweiten Studioalbum vereinen sie Stilmittel ihrer musikalischen Idole wie Erykah Badu oder The Roots mit der ekstatischen Energie ihrer Liveshows.

Thematisch orientiert sich In the Sun in the Rain an den Höhen und Tiefen des Lebens. This album is about life, emotions and happenings, about friendship, about love, about jealousy, disappointment and greediness.”

Album Cover

Aufgenommen wurde es mit dem norwegischen Musiker und Produzenten Lars Horntveth. The collaboration was fun and I think we learnt a lot from Lars, who is very, very experienced when it comes to working in the studio. He is a great force to have in the studio – full of ideas, energetic and with a very strong work ethic,” erzählen Fieh über die Zusammenarbeit. Das Ergebnis habe ich mir für euch einmal genauer angehört.

„In the Sun in the Rain“: Ein Album über sonnige und bewölkte Tage

Das Album beginnt mit dem Stück In the Sun in the Rain (Move on Up). Er überzeugt durch orchestrale und Fusion-Jazz Elemente, die in einen soliden Pop-Soul Song übergehen. Arrangement und Gesangsstil erinnern stark an Erykah Badu. Auffallend sind hier die Harfen und Gitarrenklänge, die an gezupfte Geigen erinnern. Thematisch geht es hier um das Zelebrieren des Lebens: Das Tanzen im Regen und sich anschließend von der Sonne trocknen lassen. Worauf diese Metapher anspielt bleibt hier jedem selbst zu interpretieren.

Der Song ist ein Vorbote dessen, was uns im Verlauf des Albums erwarten wird: Es soll getanzt werden – aber man kommt nicht drum herum währenddessen etwas genauer hinzuhören, um alle Facetten des Albums mitzubekommen. Denn was alles musikalisch und textlich passiert ist sehr spannend und abwechslungsreich.

Im Anschluss an das Intro hören wir mit Fast Food, Telephone Girl und Rosalie eine Reihe solide arrangierter Soul-Pop Songs. Sie sind sehr stimmig und bringen durch aufwendig arrangierte Bridge-Parts einen tollen Twist mit hinein. Thematisch handeln die Songs über fehlende Wertschätzung innerhalb der Beziehung, Trennung, Freundschaft und Vergänglichkeit. Mit Grendehus Funkadelic wird schließlich Fahrt aufgenommen. Der fuzz- und basslastige Sound erinnert stark an den Songnamensgeber Funkadelic. Er ist eine Hommage an die ausgelassene Stimmung auf Partys in der Teenagerzeit. Das letzte Drittel des Songs mündet in ein wildes Synthie-Klangspektakel bevor es mit der Ballade Allthetimeevenwhen weitergeht.

Der Song ist sehr an den Sound von Alabama Shakes angelehnt: Filigran mit toller Melodie gesungen und authentisch-trocken abgemischten Instrumenten. Hier sind auch zum ersten Mal Bläser zu hören, die den klassischen Soul-Vibe abrunden. In der Bridge und im Outro ist der Song musikalisch aufwendig ausgeschmückt, was ihn zu einer interessanten Ballade macht. Der Song handelt über die Liebe und Aufopferung innerhalb einer Beziehung.

Fieh by Jonathan Vivaas Kise
Fieh by Jonathan Vivaas Kise

Auch der nachfolgende Song Englishman orientiert sich an dem souligen Retrosound von Alabama Shakes. Er handelt über die falschen Prioritäten innerhalb einer Beziehung und dem Unvermögen seine Fehler anzuerkennen. Das Arrangement ist hier sehr groovelastig und die Gesangsmelodie hat absolutes Ohrwurmpotenzial. Insgesamt ein sehr cool arrangierter Song, der zum Ende hin diverse Melodiephrasierungen erhält.

Rooftop ist wieder ein etwas upbeat-lastigerer Song, der wird durch die Bläser einen coolen Soul-Vibe erhält. Die Bridge ist durch die Fusion aus Neo-Soul und Jazz Sounds spacig gehalten – sehr cool! Das Outro endet verträumt in einem wabernden Synthie-Soundscape. Ein wirklich toller Song, der textlich viele unterschiedliche Facetten über die Wendungen des Lebens offenbart.

Anger Management (Jesus) wird größtenteils von einer Gitarre mit Vibratoeffekt gespielt. Er handelt von Enttäuschung, Wut und Traurigkeit. Die zurückhaltende Instrumentation greift die bedrückende und bewusst kontrollierte Stimmung des Gesangs gekonnt auf. – unterstrichen von einem Bläsersolo.

Howcome erinnert musikalisch an Sharon Jones & The Dap Kings, es wird also wieder soulig. Der Song überzeugt durch coole Gitarrensounds und Synthies. Die Sängerin besingt hier den Trennungsschmerz und Eifersucht nach dem Ende einer Beziehung. Hero schließt das Album mit einer gefühlvollen Ballade ab, bei der ich den Interpretationsspielraum wieder offen halten möchte. Musikalisch ist der Song, wie auch im Intro, eine geschmackvolle Fusion aus souligen und orchestralen Elementen.

Norwegische Future Soulstars Fieh liefern ein tolles Album mit vielen Wow-Momenten

Wer bis jetzt noch nichts von den norwegischen Future Soulstars Fieh gehört hat, dem kann ich dieses Album sehr ans Herz legen. Es geht absolut ins Ohr und wird auch nach mehrmaligem Hören nicht langweilig. „In the Sun in the Rain“ ist ein wirklich gelungenes Album mit vielen musikalischen Wow-Momenten. Ich als Soulliebhaberin finde es toll wie hier mit den unterschiedlichen Stilmitteln gespielt wurde. Fieh vermischen gekonnt klassische Soulsounds mit futuristischen und orchestralen Klängen. Dadurch entwickelt sich jeder Song im Verlauf zu etwas ganz Neuem und Unerwartetem, was beim Hören wirklich Spaß macht.

Man merkt, dass Fieh während des Aufnahmeprozesses mit ihrem Produzenten viel Zeit und Kreativität in das Sounddesign investiert haben. A lot of ideas were thrown around in the studio and we tried many things. With help from producer Lars Horntveth, who is full of ideas and who also arranged strings, we did our best to make different and interesting soundscapes on this record.” Thematisch findet das Album dabei eine gute Balance zwischen ernsten und fröhlichen Themen, sodass sich nachdenkliche Balladen mit tanzbaren Nummern abwechseln.

Fieh sind im März und April in den USA und in Norwegen auf Tour. Weitere europäische Städte sollen bald folgen. Alle Dates findet ihr auf ihrer Website. Weitere relevante Infos zur Band gibt es auf Instagram und Spotify.

Fotocredits: Jonathan Vivaas Kise