Welcher Musiker kann schon von sich sagen, dass er mit den ganzen großen der Musikszene zusammengearbeitet hat und das mit gerade mal Mitte 20? Dan Owen, der britische Singer & Songwriter, ist eines dieser glücklichen Talente. Entdeckt wurde er von Mick Fleetwood, dem Drummer der legendären Band Fleetwood Mac. Nun tourt er vor der Veröffentlichung seines Debütalbums durch mehrere Städte und machte dabei einen Stopp in Hamburg zum Soundkuchen in der Superbude. Wie sich sein Leben in den vergangen Jahren verändert hat, welche Bedeutung er den Social Media Kanälen innerhalb des  Musikbusiness zuordnet und welche Tipps er für junge Künstler hat, erzählte er uns im Musicspots-Interview vor seinem Auftritt.

„I can not imagine doing something else“

Musicspots: Hi Dan, danke für deine Zeit. Es ist ja bereits dein dritter Stopp in Hamburg. Wie ist das für dich?

Dan Owen: Es fühlt sich gut an, wieder hier zu sein. Ich war ja bereits zum Reeperbahnfestival im vergangenen Jahr hier und zuvor auf Tour mit Birdy. Der Gig beim Reeperbahnfestival war klasse. Ein toller Abend mit mehreren Künstler aus England (Red.: Der Auftritt war innerhalb des Abends „presented by British Embassy im Nochtspeicher) Wir hatten Spass. Hamburg hat immer eine tolle Atmosphäre beim Konzert.

„Just with a guitar on my back to festivals and gigs“

Musicspots: Zurück zum Anfang. Du wurdest 2013 von Mick Fleetwood entdeckt. Wie kam es dazu?

Dan Owen: Das kam wie aus dem Nichts. Ich spielte damals in kleinen Clubs und ich hatte keinerlei Kontakte in die Musikbranche. Jemand nahm meine Version des Songs „Ballad Of Hollis Brown“ von Bob Dylan auf und stellte das Video bei YouTube ein. Über Nacht bekam es über halbe Millionen Klicks. Den Leuten gefiel es. Und einer davon war Mick Fleetwood.

Musicspots: Und wie erreichte dich die Nachricht, dass Mick Fleetwood so begeistert war? Ein Anruf, eine Mail?

Dan Owen: Das weiß ich gar nicht mehr so ganz genau… ich bekam eine Nachricht, dass Mick Fleetwood meinen Auftritt gesehen hat und begeistert war. Das nächste woran ich mich erinnere ist, dass ich mit ihm in London saß und für ihn ein paar Songs spielte. Wir gingen in Soho Essen und er erzählte über seine Zeit auf Tour und was man tun sollte und was man besser lässt. „It is quite so unreal“ (lacht)

Musicspots: Wie ging es dann weiter? Hat sich dein Leben sofort verändert?
Dan Owen: Ja, das ging Schlag auf Schlag. Jede Menge Treffen mit Ansprechpartnern aus der Musikbranche. Es folgten zahlreiche Konzerte, Auftritte auf Festivals. Jede Menge Reisen, Flüge und Übernachtungen in Hotels. Plötzlich hatte ich einen Manager und war immer unterwegs. Es war eine spannende Zeit mit meiner Gitarre von Auftritt zu Auftritt zu reisen.

Musicspots: Jetzt bist du ja erneut auf Tour. Wie lange dauert die Tour?

Dan Owen: Die Tour hat erstmal nur neun Konzerte. Dann gibt es eine kurze Pause, und dann geht es direkt weiter. Wir haben 33 Stopps gesamt. Morgen sind wir z.B. in Berlin, dann u.a. in München, Zürich und Paris.

It feels like they come the whole journey with me.

Musicspots: Vermisst du deine Familie und Freunde wenn du unterwegs bist?

Dan Owen: Klar, vermisse ich meine Freunde und Familie. Aber eine guter Freund begleitet mich diesmal auf der Tour. Er fotografiert mich und meine Konzerte. Die Bilder nutzen wir für Facebook und Instagram. Wir kennen uns bereits seit wir ungefähr vier waren. Es ist gut, jemanden auf der ganzen Tour an seiner Seite zu haben, der einem vertraut ist. Zusätzlich unterstützen mich meine Freunde und Familie von daheim aus. Als wir vor ein paar Tagen in Amsterdam waren, tauchten plötzlich viele meiner besten Freunde und meine Familie auf.

Musicspots: Deine Familie und Freunde reisen extra für dich aus der Nähe von Birmingham nach Amsterdam? 

Dan Owen: Ja, sie waren extra für mich nach Amsterdam gereist. Das fühlt sich grossartig an. Ich stamme ja aus Shrewsbury, das ist eine Kleinstadt nordwestlich von Birmingham, nahe Wales. Einer sehr ländlichen Gegend. Du stehst da oben auf einer Bühne in Amsterdam und weisst das deine Familie und Freunde im Publikum sind. Das ist wirklich ein gutes Gefühl. Ich begann ja bereits mit 13 meine Schwester mit der Gitarre zu begleiten. Sie sang, ich spielte. Wir traten in kleinen Clubs auf, und trafen Musikliebhaber rund um unsere Kleinstadt. Nach und nach baute ich mir sozusagen meine Fanbase rund um meine Heimatstadt auf. Wir besuchten Open-Mic-Sessions und hatten keine großen Ambitionen. Wir hatten einfach Spaß am Musik machen. Ich mache also auch heute weiter was ich liebe und mir Spaß macht. Musik.

„It´s more like making friends than making fans“

Musicspots: Ich hörte bereits, dass du alle deine Anfragen, die du über deine Social Media Kanäle bekommst selber beantwortest. Wie schaffst du das bei deinem aktuellen Tourplan? 


Dan Owen:
Ich nehme mir die Zeit für eine persönliche Antwort. Es ist mir wichtig, den Fans zuzuhören und ihre Fragen zu beantworten. Ab und an kommen Fragen nach einem Treffen nach dem Gig. Ich denke klar, wenn wir die Zeit haben, gerne. Immerhin reisen einzelne Fans von echt weit her an. Letzten Abend ist jemand 2,5 Stunden gefahren, nur um meine Show zu sehen. Ich finde, das wenigste was man tun kann, ist sich anschließend Zeit für seine Fans zu nehmen. Es ist cool Fans persönlich kennenzulernen. Aber auch sich mit ihnen direkt über z.B. Facebook auszutauschen.

„Social Media is a big thing in Music-Business“

Musicspots: Beeinflusst Social Media dein Leben und deine Entscheidungen in deiner Musikerlaufbahn.

Dan Owen: Auf jeden Fall. Man muss sich bewusst sein, dass alles sichtbarer ist. Das wirklich gute ist, dass man sieht, wer wo noch auftritt. Man sieht Auftritte in Locations in denen man vielleicht selber mal auftreten wird. Ich glaube Social Media ist etwas sehr großes und wichtiges im Musik-Business. Der direkte Kontakt und Austausch zu den Fans bedeutet mir viel. Als mich vergangenen Abend vor dem Konzert in Haldern jemand fragte wann der Einlass beginnt, konnte ich schnell helfen. Das ist super. Und ich habe Spaß dran, solange es mir möglich ist diesen direkten Kontakt zu pflegen. Manchmal sagen die Leute nur „Hi“ und sind erschrocken, dass ich antworte. Und ab und an stellen die Fans Fragen und ich antworte. So baut sich manchmal über Wochen ein echtes Gespräch auf.

Musicspots: Das neue Album steht in den Startlöchern. Es soll im Sommer erscheinen. Wann genau?

Dan Owen: Ja, Ende des Sommers ist die Veröffentlichung geplant.

Musicspots: Es gibt also noch kein finales Datum?

Dan Owen: Noch nicht wirklich. Ich würde es einerseits gerne rausbringen, aber ich würde auch gerne weiter auf Tour gehen und noch warten. Ich merke wie schwer es mir fällt ein Datum festzulegen. „It´s kind of my diary and it is forever.“ Klar ist es nicht meine alleinige Entscheidung, immerhin habe ich inzwischen ein Label. Und ich würde es gerne ein wenig relaxter angehen. Nach dem Motto: „This Song is good, let´s release it“. Es fällt mir einfach schwer ein fixes Datum auf meine Musik zu setzen. Aber es kommt was, das ist sicher. Alle fragen mich rund um die Uhr und ich befürchte, wenn es nicht bald kommt, werden wir alle noch wahnsinnig.

Dan Owen schweigt kurz und schaut dann aber wieder offen in die Runde. Ein erster Album Release scheint nicht die einfachste Entscheidung zu sein, die ein junger Musiker treffen muss. Aber er scheint sich auch unfassbar zu freuen hier zu sitzen und davon zu berichten.

„Keep on playing. That´s what we do as musicans“

Musicspots: Hast du Tipps für junge Musiker und Bands?

Dan Owen: Ich sage immer, besucht Open-Mics und spielt wo immer ihr könnt. So habe ich auch begonnen. Meine Schwester und ich besuchten ungefähr sieben Open-Mic-Sessions in fünf Tagen, also ab und zu zwei an einem Abend. Ein wirklich einfacher Tipp, aber es hat für mich funktioniert. Jemand sagte mir mal „Spiel einen Song ca.10.000 Stunden lang bevor du ihn im Studio aufnimmst.“

„When I have my guitar, I can earn money wherever I am“

Musicspots: Letzte Frage: Stell dir vor, es ist zwei Uhr in der Nacht und der Feueralarm im Hotel geht los. Welche drei Dinge nimmst du mit und warum?

Dan Owen: Auf jeden Fall meine Gitarre. Wenn ich meine Gitarre dabei habe, kann ich überall weiter Geld verdienen. Und wenn das Handy mit dem Ladegerät gezählt werden kann, dann auf jeden Fall das Handy. Oh, eine dritte Sache fällt mir nicht wirklich ein. Ich habe auf Tour nie viel dabei. Ich brauche nicht viel. Okay, wenn es zwei Uhr nachts ist, denke ich sollte mir noch fix was anziehen.

Musicspots: Danke für deine Zeit Dan. Wir freuen uns auf das Konzert später.

Schön mal wieder so offen mit einem jungen Künstler zu plaudern. Dan Owen scheint es zu wertschätzen, dass seine Fans teilweise weite Strecken für seine Konzerte zurücklegen. Er dankt ihnen mit dem persönlichen Kontakt, ob über seine Social Media Kanäle, oder mit einem Treffen nach einem Konzert. Dan zeigte sich uns als ein junger talentierter Musiker, der die erste eigene Tour zu seiner EP: „Open Hands and Enemies“ (Warner Music) sympathisch für die Promotion zum Debütalbum nutzt. Beim Konzert am späten Nachmittag konnten wir uns davon überzeugen, dass Mick Fleetwood hier eine Stimme entdeckt hat, die nicht nur die sanften Singer& Songwriter Klänge mit sich bringt. Dan Owen hat mit Mitte Zwanzig auch den echten Blues im Blut. Rauchige Töne durchziehen seine Blues Songs wie „Little Red Rooster“. Er reißt das Publikum beim Soundkuchen im Hamburger Kult-Hotel Superbude von dem sonntäglichen Kaffeegedeck, scherzt, lacht und bringt uns zum Mitsingen. Man sieht, dass er Spaß hat und hört ihn immer wieder sagen: „I just want gigging“ Wir hoffen, dass ihm diese Freude am Spiel weiter erhalten bleibt und er diese Liebe zur Musik weiterhin in seine Songs fliessen lässt. So bringt er uns zum Weinen und Lachen. Hoffentlich macht Dan Owen auch im Herbst auf der Tour zum neuen Album einen Stopp in Hamburg.

Aktuelle News rund um Dan Owen gibt es immer auf seiner Webseite, der Facebook-Fanpage, Twitter oder Instagram. Hier könnt ihr auch den Konzertbericht Soundkuchen mit Dan Owen und der Hamburger Band Gløde in der Superbude nachlesen.

Das Interview wurde am 05.03.2017 in englisch geführt und anschließend niedergeschrieben. Danke auch an das tolle Team der Superbude, die mit dem Soundkuchen („1 Konzert-Ticket für 1 Stück Kuchen“) ein tolles Livemusik-Konzept geschaffen hat. Besonderen Dank geht an Sandra Schink für die tollen Fotos und den Teaser zum Interview.

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: