Am 03. und 04.11.2017 fand in Hamburg die Operation Ton #11 statt. Das Festival für musikalische Zukunftsfragen für Musiker, Musikschaffende und Musikliebhaber hat mit unzähligen Workshops, Performances, Lesungen und Konzerten einen inspirierenden Einblick in die Zukunft der Musikbranche gegeben. 

Energie statt Untergang

Veränderung und die Einflüsse der neuen Medien bewegen die Musikbranche in einer Weise, wie schon lange nicht mehr. Das Motto Killing Me Softly war zwar düster gewählt, die Veranstaltung aber bunt und vielfältig. Wie erhofft: Newcomer und erfahrene Profis lassen sich vom Trend der Datenauswertungswut der großen Player nicht entmutigen. Deutlich wurde: Musik wird weiterhin individuell und emotional sein. Um erfolgreich zu sein, gilt es aber sich den Herausforderungen der neuen Medien und dem geänderten Hörverhalten der Fans zu stellen und sich auszustauschen. Genau hierfür war die Operation Ton #11 der richtige Ort.

Tipps zu Booking, Verhandlung von Gagen & Demochecks

Musikstreaming, die Macht von Facebook & Co., sowie die Möglichkeit, für den Musikgenuss nicht mehr das Sofa zu verlassen, zwingen Musiker neue Weg zu gehen. Aber wie können diese aussehen? Wie kann Musik entstehen, die nicht ständig den selben Sound hervorbringt? Kann man mit Musik außerhalb des Mainstreams noch Geld verdienen? Muss die eigene Persönlichkeit in den Hintergrund treten, um Fans zu erreichen? Zwischen Workshops über Honorarverhandlungen, Demochecks für Newcomer von Profis, Interviews von Musikern mit Bands und außergewöhnlichen Performances gab immer wieder intensiven Austausch zu Lösungsansätzen.

Insights und Musik

Meine persönliches Highlights war das Panel „Gut gebucht ist halb gewonnen“ mit Henning Brandt, Yasmin Knoch, Achim Rafain und N´Gone Thiam, moderiert von MIU. Sie berichteten über ihre ersten Buchungen als sogenannte Sidemusiker und gaben Tipps zur Gagenverhandlung. Einblicke in die Geldflüsse und die Strukturen des Musikmarktes 4.0. vermittelte Jörg Heidemann, Geschäftsführer des VUT. Es ist immer wieder erschreckend zu sehen, wie gering die Ausschüttungen eines Tonträgers gegenüber eines Streams ausfallen und wie wenig am Ende beim Künstler hängen bleibt. Interessiert gelauscht wurde dem Austausch zwischen Boy und Tim Neuhaus über Zukunftspläne und Songwriting, ebenso, wie dem Gespräch zwischen Newcomerin Leila Akinyi mit Branchenprofi Mitra Kassai. Hier zeigte sich, dass besonders junge Musiker die neuen Medien für sich zu nutzen wissen. Leila Akinyi zeigte am Samstag Abend im Rahmen der LOOP Sessions nochmal ihr Können am Mikro. Ich denke von ihr wird man noch viel hören. Hamburgs erste LOOP Sessions war übrigens grossartig. Ich hoffe es war nicht die letzte bei uns im Norden.

Operation Ton – ein Netzwerktreffen wie zwei Tage Klassenfahrt

Die Operation Ton #11 in wenigen Worten zusammenzufassen ist schier unmöglich. Daher lasse ich die Profis, mit denen ich mich vor Ort ausgetauscht habe, an dieser Stelle zu Wort kommen.

Sophie – Sängerin von Guacáyo

Sophie – Sängerin von Guacáyo „Polarisierend, aufweckend, anstachelnd, frech und wissensvermittlend! Ich hab gelernt den Raum mit was geilerem als Softeis zu füllen und unser Demotape wurde konstruktiv auf Mix und Inhalt ausgecheckt. Ein bunter Haufen an Menschen, die offen für Austausch und Begegnungen sind und dann auch noch für, von oder mit Musik leben. Ich bin nächstes Mal wieder dabei. Kommt auch und lasst euch inspirierend irritieren. Außerdem hab ich Lust noch mehr von euch kennenzulernen“

Mire Buthmann & Malte Müller – Die Tüdelband

Mire Buthmann & Malte Müller – Die Tüdelband „Operation Ton is en Nettwarkdrepen so as twee Daag Klassenfohrt. Blots villicht nich ganz so duun.“ Und für alle die kein plattdeutsch können: „Operation Ton ist ein Netzwerktreffen wie zwei Tage Klassenfahrt. Nur vielleicht nicht ganz so volltrunken.“

Gregor Hennig – Musikproduzent

Gregor Hennig – Musikproduzent „Von meiner ersten Operation Ton kam ich mit einem Sack voller Ideen nach Hause. Die Schnittstelle zwischen der Proklamation des Aufbruchs und dem Bezug auf bestehende Strukturen, als die sich Musiker im besten Fall begreifen sollten, findet genau hier auf der Bühne statt. Popkultur vs. Norm. Musik, Politik, Technik, Philosophie, ein bisschen Chaos – und Spaß. Seitdem war es jedes Jahr etwas anderes, das ich mit nach Hause nahm, aber es war immer etwas dabei und immer etwas, das meine Sicht auf die Welt verändert hat.“

Das Festival für musikalische Zukunftsfragen

Nanée – Singer & Songwriterin

Naneé – Sängerin& Songwriterin Für mich war die Operation Ton #11 die perfekte Mischung aus tollen Workshops und interessanten Vorträgen, mit einem Aha-Erlebnis nach dem anderen. Neben den vielen tollen Begegnungen, war mein Highlight, der Produktionscheck meines Songs „Zeitreise“. Ich hab als Songwriter-Newcomer unglaublich viele tolle Tipps bekommen, dass ich gar nicht abwarten kann, sie auszuprobieren! #soft + #kill = #skill !“

Alina Back – Sängerin

Alina Bach – Sängerin „Operation Ton ist ein großartiges Netzwerk, mit inspirierenden Künstlern und hilfreichen Workshops, die ein wenig Licht ins Dunkel des Musikmarktes bringen. Mit neuen Ideen und neuem Selbstbewusstsein fühlt man sich danach nicht mehr ganz so verloren im Marketingdschungel. Es macht einem bewusst, wie wichtig es ist Netzwerke zu schließen und vor allem mutig zu sein. Und dieser Vibe klingt lange nach.“

Es tut sich was hinter den Bühnen 

Ich denke wir sind uns alle einig: Eine Operation Ton muss es auch im kommenden Jahr geben. Und sicher gibt es wieder: „Geile Themen, geile Mucke, geile Leute“, wie DJ Cosmic in seiner Moderation so treffend betonte.

Es wird weiter viel Neues hinter den Kulissen an Musik produziert. Wir sollten daher weiterhin gespannt in den Plattenladen unsere Vertrauens gehen, denn die Musiker und Musikschaffenden, die ich kennengelernt habe, bleiben sich treu und gehen unbeirrt ihren Weg. Für uns Musikliebhaber ist mein Tipp: Schaut euch an, was neben den großen Hallen passiert, hört eure Musik nicht nur über Spotify und iTunes an. Geht auf die kleinen Konzerte und sprecht mit den Musikern anschließend und zollt ihnen euren Respekt im persönlichen Austausch. Und liebe Musiker & Musikschaffende: Lasst weiter laut von euch hören! Ohne euch wäre auf jeden Fall meine kleine Welt nur ein langweiliges weißes Rauschen. Ich freue mich über weiteren Austausch und neue Musik in meiner Musicspots-Box.

Danke an RockCity Hamburg e.V. und allen Unterstützern und Partnern für diese grossartige Veranstaltung, auf der ich Gast sein durfte. Mehr tolle Eindrücke über die Operation Ton #11, gibt es auf der Operation Ton Webseite, der Facebook-Seite und über den Instagram Kanal.

Fotocredit: Die Tüdelband, Credit: Fabian Lippke; Alina Bac, Credit: privat. Die weiteren Fotos sind, wenn nicht anders angegeben seitens Musicspots im Rahmen der Operation Ton entstanden.

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