Wenn MIU zum Preview-Konzert für das neue Album Leaf einlädt, dann zögert man nicht lange. So geschehen am Donnerstag im stilwerk Hamburg am Hafen. In kleiner exklusiver Runde konnten die Gäste das erste Mal den neuen Songs vor dem offiziellen Release am 31. August im Mojo lauschen.

MIU – Eine starke Stimme

Soulig und stark erklingt die Stimme von MIU. Auf den ersten Blick sieht die junge Sängerin zierlich und zart, fast zerbrechlich aus. Doch wenn sie loslegt, spürt man die Stärke in ihrer Stimme und die Power, die sie mitbringt. Sie begeistert direkt vom ersten Ton an. Es ist eine stimmige Show, die zeigt, hier kommt ein grossartiges Album, auf das wir uns freuen können.

Heimweh, Fernweh und Liebe

Der neue Sound von Leaf klingt nach dem Debütalbum Watercoloured Borderlines (2015) deutlich härter, fast rockig. Begleitet von vierköpfigen Band bestehend aus: Arne Vogeler an der Gitarre, Daniel Otte am Bass, Joscha Farries am Keyboard und Nando Schäfer Schlagzeug startet MIU mit dem Song Dancing in a Minefield.

Die Setliste des Abends besteht fast rein aus Songs des neuen Albums. Es gefällt. Die Gäste werden von Song zu Song lockerer, bewegen sich im Takt. Als MIU zum Mitsingen aufruft, erklingt anfangs nur ein leises Echo. „Das war nun aber nun sehr hanseatisch, das geht besser! Sie fordert auf, Fischbrötchen und Bier zur Seite zu stellen. Der Abstand zur Bühne verkleinert sich, es wird gemütlicher. Es ist ein besonderer Abend mit toller Musik und der seltenen Möglichkeit, das erst in den kommenden Tagen offiziell veröffentlichet Album Leaf persönlich von MIU signiert mitzunehmen.

Open Mic Session in New York

Bei unserem Treffen beim Iceream-Festival am vorhergehenden Sonntag erzählt MIU offen und entspannt, wie alles begann. Zwischen ihren Auftritten schlendern wir plaudernd durch die Schanze und sitzen kurz bei Kaffee und Limo in der Sonne. Die Liebe zur Musik hat sie seit ihrer Kindheit nicht mehr losgelassen. Früh hat sie begonnen Klavier zu spielen. Ihre Augen leuchten, wenn sie von ihrem Trip nach New York berichtet. Ein paar Woche nur, direkt nach der Ausbildung in der Werbung. Sich auf dem Broadway die bunten Lichter anschauen, in Parks Icecream essen, sich sortieren, dafür sei New York der richtige Ort, so sagt sie.

„Ich habe mir Songwriter Sessions rausgesucht und bin auf The Bitter End gestoßen. Ich habe ein ganz schlechtes Demo eingeschickt, weil ich es einfach nicht besser konnte.“ Sie lacht und greift zur Limo. „Komm vorbei, sagten sie, und das tat ich dann natürlich. Erst nach meinem Auftritt habe ich richtig begriffen, was das für ein Laden ist. Donny Hathaway hat da sein Live-Album aufgenommen und Lady Gaga ist dort aufgetreten! Es hat irgendwas in mir bewirkt. Als ich zurück nach Deutschland kam, überlegte ich, ob es nicht doch irgendwie klappt und ich es mir nicht vorwerfe, wenn ich es nicht probiert habe“.

Plaudern bei Icecream und Sonne

Und das Probieren hat MIU dann auch gewagt. Stück für Stück hat sie der Musik wieder mehr Platz in ihrem Leben gegeben. Sie hat Unterricht genommen und mit anderen Musikern gearbeitet. Sie hat ihren Job in der Werbung erst auf Teilzeit reduziert, dann ganz aufgegeben. Entspannt plaudern wir in der Sonne auf dem Schulterblatt über die Vergangenheit, das Jetzt und das neue Album Leaf.

MUSICSPOTS: Du bist bei Herzog Records unter Vertrag. Wie kam es dazu?
MIU: Ich glaube, jemand hat uns auf der Altonale gesehen und empfohlen. So kam der Kontakt zustande. Aber ich denke, egal wie man es macht, es ist ja alles nicht verkehrt. Ich finde, wenn man das erste Album bereits in der Schublade hat, dann muss es nicht daran hapern, dass man keine Plattenfirma hat. Man sollte dann eher zusehen, dass man es selber presst und sich ne gute Promotion leistet. Für die erste EP damals haben wir das auch so gemacht und es scheint ja funktioniert zu haben.

MUSICSPOTS: Das zweite Album ist weniger soulig geworden. Gibt es hierfür einen Grund?
MIU: Das hat sich, denke ich, so ergeben. Ich glaube auch, dass das dritte Album wieder souliger wird.

MUSICSPOTS: Du bist schon wieder am dritten Album dran?
MIU:
Ja, ich schreibe nebenbei bereits wieder Songs. Vielleicht wird es auch eine Mischung aus Soul mit Pop. Ich finde, man muss sich beim Musikschreiben auch immer ein wenig selber finden und ausprobieren.

MUSICSPOTS: Welchen Song spielst du immer gerne auf der Bühne? Hast du quasi als „sichere Bank“ in der Setliste dabei?
MIU:
Mirror. Der ist gefühlt ein kleiner Evergreen. Durch seine lange Solostrecke macht er auf der Bühne mit der Band besonders viel Spaß.

Das Lieblingslied mit der Ukulele

MUSICSPOTS: Welches ist dein Lieblingssongs vom neuen Album Leaf?
MIU:
Ohana, der Ukulelen-Song, der von Familie und Vertrauen erzählt. Und dann Perfect Time to Go. Der eigentlich nur aus kitschigen Akkorden besteht. 

Anmerkung Musicspots: Beide Songs sind klasse. Zu Perfekt Time to Go muss man sagen, er ist nicht rein kitschig. Er gehört zu den sanfteren Songs des Albums und bringt wieder die herrlich soulige Stimme von MIU hervor, die ich so schätze. Und beim Icecream Festival an diesem sonnigen Sonntag war er der perfekte Song, um das Akustikset zu eröffnen. Er spiegelt aber auch das breite Spektrum des Albums wieder. Ebenso ist Ohana einer der Songs, die beim ersten Hören ein wenig poppig klingen. Durch die Ukulele und wieder mit MIUs besonderer Stimme erhält auch dieser Song seinen Touch, der den Song liebenswert macht. Ein Song über Familie, Vertrauen und Vermissen. „I´ve got you with me, you´re still with me“. Ein Song, der ebenso wunderbar akustisch in der Sonne zwischen Eiscreme Buden, wie in Begleitung der Band am Hafen klingt und eines der Highlights des neuen Albums bildet.

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Produziert wurde MIUs neues Album LEAF von Gregor Hennig, der bereits für Niels Frevert, Vierkanttretlager Die Sterne tätig war. Ja, die Songs klingen im Vergleich zum Vorgänger ab und an ein wenig härter. Das dürfen sie aber auch, finde ich. Denn MIUs Stimme machen sie wiederum zu etwas Eigenem Sanftem. Ob in LEAF nun mehr Pop, Soul oder Rockmusik drin ist, bleibt am Ende offen. MIU ist für mich eine der Ausnahmeentdeckungen in diesem Spätsommer. Sie hat mit ihrem ersten und nun auch mit dem kommenden zweiten Album ihren Traum vom Musizieren verwirklicht. 

Album-Release unter der Reeperbahn

Leaf von MIU erscheint am 25.08.17

Leaf von MIU erscheint am 25.08.17

Und so freue ich mich auf ihre Record-Release Party am 31. August im Mojo. Diesmal mit noch mehr Musikern auf der Bühne. Denn wie von MIU angekündigt und auch im Album-Booklet vermerkt, werden ihre Songs teilweise von Bläsern und Streichern unterstützt. Es wird sicher ein großartiges Konzert in einem tollen Club unter der Reeperbahn. Hingehen und Mitfeiern!

 

Das neue Album Leaf (Herzog Records) erscheint am 25.08.2017.

Mehr über MIU erfahrt ihr auf ihre Facebookseite, ihrer Webseite oder über Instagram.

Fotocredits: Für die Fotos geht der Dank an Arne Vollstedt.

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