Indie-Folk mit mächtiger instrumentaler Begleitung, so präsentiert Joseh sein zweites Album EPHEMERAL zum Start des Jahres. Eine schöne Platte mit vielen liebevollen Details des Hamburgers. Musicspots hat  nachgefragt, was sich in den vergangene Jahren getan hat und was wir noch erwarten können.

Persönlich kennengelernt habe ich Joseh vor drei Jahren auf eine privaten Feier in Hamburg. Er spielte mit seiner Gitarre ein paar Songs und hinterließ bereits einen bleibenden Eindruck. Das erste Album „Open Up“ erschien 2015. Es folgten viele kleine Auftritte u.a. auf Festivals, in kleinen Clubs und auch als Strassenmusiker. Nun ist Anfang Januar sein zweites Album EPHEMERAL erschienen.

Joseh musikalische Veränderung ist ein Prozess

Musicspots: Ist dieser Release zu EPHEMERAL ebenso aufregend für dich, wie das Debüt zu Open UP in 2015?

Joseh: Es ist auf jeden Fall immer aufregend ein Album zu veröffentlichen. Als Songwriter versuche ich immer meinen Horizont Schritt für Schritt zu erweitern. Wenn „Open up“ noch geradliniger Folk-Pop war gibt es jetzt auf EPHEMERAL deutlich mehr Indie Einflüsse. Ist auch dem Songwriting Prozess geschuldet, bei dem ich mir diesmal selbst weniger Grenzen gesetzt habe. Ich habe auch mehr den Beatles arrangement process einfließen lassen, den ich so bewundere, und mich im Prinzip auf den Albumklang fokussiert ohne Gedanken an Live-Umsetzbarkeit zu machen. Ein Orchester oder diverse Geigen, Celli oder Blasinstrumente sind jetzt nicht gerade unsere feste Besetzung. Ich bin auf jeden Fall sehr glücklich darüber was rausgekommen ist. Nicht Pop, nicht Indie sondern genau zwischendrin.

Musicspots: In den vergangenen Jahren hat sich viel verändert bei dir, was auch in deiner Musik herauszuhören ist. Was waren die größeren Ereignisse, die das Album beeinflusst haben?

Joseh: Ich würde sagen der Blick zurück. Nach vier Jahren des Tourens, Songschreibens etc. habe ich sehr über meine alten Freunde, Weggefährten nachgedacht und im Gegensatz natürlich dazu über alle neuen Bekanntschaften die ich machen durfte in den vier Jahren. Das Album ist ein großes Dankeschön an alle Menschen, die mir begegnet sind in guter wie in schlechter Weise, weil ich denke dass ich bei jeder Begegnung was lernen konnte, egal wie banal er auf den ersten Blick erscheinen mag. Es gibt also kein großes Ereignis, sondern einen großen Prozess. Wie sahen meine Werte und mein Leben aus bevor ich entschieden habe Musik hauptsächlich zu machen und wie haben sich diese in den vier Jahren geändert.

Musicspots: Nach dem ersten Album, das akustischer daherkommt, gibt es jetzt E-Gitarren, Orchesterparts und Synthies. Wie kam es zu dieser Wendung?

Joseh, 2016, Fotocredit: Thorsten Lindner

Joseh: Es war ein natürlicher Prozess. Ich mache seit 2014 akustisch anmutende Musik. Es zu erweitern ist eher der Drang was Neues auszuprobieren. Ich bin auch an anderen Genres interessiert und versuche diese mit einfließen zu lassen. Bei „Open up“ war es noch zu probieren wie sich eine Harfe im American Folk integrieren kann. Auf dem neuen Album ist es eher ein Soundstreben. Wie klingt es wenn mehrere Instrumente das gleiche spielen z.B.? Auf dem Song „Growing up“ gibt es einen Soundteppich, der aus drei Jazz-Orgeln, einer verzerrten Kirchenorgel, Akkordeon und Violas besteht. Oder auf “ No man stands alone“ gibt es die hart verzerrte Harfe als Soloinstrument das von einem Dub-Step inspirierten Beat begleitet wird. Und viele solcher kleiner Details gibt es mit jedem Hören des Albums immer weiter zu entdecken.

Authentischer Indie Folk

Musicspots: Auch in Sachen Label gab es Veränderungen. EPHEMERAL von Josehmusic erscheint nun bei SUPERLAUT. Was ändert sich mit diesem Wechsel für dich?

Joseh: Die Zusammenarbeit mit SUPERLAUT ist wirklich sehr sehr schön. Der Kontakt ist sehr zielführend. Eine Atmosphäre, in der ich am besten meinen Willen hervorrufen kann es so gut wie möglich zu machen. Was sich ändert bei mir ist der Wunsch jetzt noch viel viel mehr zu tun, damit das Album sehr viele Leute hören und auch vor allem gewissen Dingen die ich im Alltag als Musiker habe eine noch professionellere Tiefe zu geben.

Musicspots: Deine Eltern sind auch Musiker und du bist mit ihnen als Kind viel für die Musik gereist. Was hast du aus deiner Kindheit mitgenommen, was dir heute hilft?

Joseh: Tu das, was dich glücklich macht. Wenn man sein Bestes versucht wird alles gut. Aus dem Schlechten kann viel Gutes entstehen, wenn man es zulässt. Ich denke das sind die drei wichtigsten Lektionen die ich unterwegs gelernt habe. All die Umzüge, das Verlassen von Freunden, das Fehlen einer richtigen Heimat. Durch diese drei Dinge bin ich trotzdem ein höchst optimistischer Mensch. Viele dieser Themen werden insofern natürlich auf dem Album verarbeitet.

Musicspots: Albumcover und Booklets wurden liebevoll von befreundeten Grafikern gestaltet. Wie viel Beachtung findet diese Gestaltung noch im Musik-Streaming-Zeitalter aus deine Sicht?

Joseh: Solche Gedanken sind bei mir nicht im Orbit, wenn ich an Songs denke oder an Album Artwork oder sonstiges, was mit künstlerischem Schaffen zu tun hat. Klar gibt es den Markt, aber ich als Mensch versuche die Dinge einfach mit Liebe zu machen. All you need is love. Peter, ein Designer, der eine Doppelseite gestaltet hat, ist der ursprüngliche Cajonista von Joseh, als das Projekt noch in den Kinderschuhen steckte. Diese Begegnung hat mir mehr Durchsetzungskraft „gelehrt“. Timrobot ein ehemaliger Werbeagenturkollege und jetzt Illustrator. Diese Begegnung hat mir über die Jahre gezeigt, dass man mit dem was man macht auch glücklich und erfolgreich sein kann, wenn man durchzieht. Viele dieser Menschen haben mir geholfen vieles über mich selbst zu entdecken und ich bin sehr dankbar dass sie auch auf dieser Station EPHEMERAL dabei sind. Ich danke in meiner Weise mit ein paar Songs. Aber selbst im Musik-Streaming-Zeitalter: Wenn man fühlt, dass es mit Liebe gemacht ist oder mit Leidenschaft, dann hat man es ja auch richtig gemacht.

Tu das, was dich glücklich macht. Wenn man sein Bestes versucht wird alles gut. Aus dem Schlechten kann viel Gutes entstehen, wenn man es zulässt.

Musicspots: Social Media im Musikbusiness: Fluch und Segen. Fühlst du dich gezwungen überall und jederzeit präsent zu sein?

Joseh, Fotocredit: Levke Marie Nielson

Joseh: Als Youtube im kommen war habe ich schon gedacht: Wie cool. Jeder kann jetzt zeigen was er kann und Leute anschreiben und das weiterschicken. Ich mag es wenn sich Menschen eine Möglichkeit bietet Ihre Künste zu zeigen. Gilt ebenso für Social Media Kanäle. Die „Konkurrenz“ ist sehr viel größer geworden und es ist ein Kampf um Aufmerksamkeit und Zeit. Ich denke aber auch hier: Authentizität, der lange Atem und wirkliches Interesse am Gegenüber wird sich durchsetzen. Ich versuche mich natürlich auch selbst daran. Und hoffe dass auf langer Sicht eine gewisse Story aus meinem Lebensverlauf zu erkennen ist. Für mich also weder Fluch noch Segen. Eher eine Möglichkeit viel zu lernen darüber wie man Menschen anders erreicht, als z.B. Flyer zu verteilen. Viele Möglichkeiten die sich auftun, von denen ich selbst viel lernen kann. Ein „gezwungen-Gefühl“ ist nicht dabei. Ich versuche das zu schaffen was für mich zu schaffen ist: Facebook, Instagram und Youtube.

Musicspots: Es ist ja noch Anfang des Jahres. Hast du Pläne oder Ziele für 2018?
Joseh: Leben in der Zeit die ich selbst kontrollieren kann: die Gegenwart. Fokussiert bleiben. Weitermachen.
Risiken eingehen. Dabei sich aber nicht zu ernst nehmen.
Musicspots: Danke dir für das Interview. Ich freue mich auf eines der kommenden Konzerte.

Von sanftem Indie bis zu guter Popmusik

Natürlich habe ich auch in das Album reingehört. EPHEMERAL ist ein schönes rundes Indie-Folk Album geworden. Ehrlich gesagt, war es beim ersten Hören zum Ende des Jahres nicht so ganz meines. Ich legte es wieder beiseite. Irgendwas fehlte, irgendwas war zuviel im neuem Joseh Sound. Aber nun, entspannt zum Anfang des Jahres mit dem Release liegen Joseh´s Songs besser im Ohr. Bei Time und Space klingen wieder die bekannten Harfenklänge und diesmal auch auch Streicher mit. Ich persönlich finde den Chor bei Souvenir zu dominant, aber es ist ein schöner Ausklangsong für geworden. Crazy Days wartet mit einem fast dramatischen Bläsern- und Klavier-Intro auf. Ein interessanter schöner Song. Ich favorisiere The Killing: sanft aber auch klangvoll, mit Ohrwurm-Charakter und dennoch authentisch, wie alle Songs des Albums.

Songs über Sehnsucht und Wünsche

Ich bewundere aber immer wieder den individuellen Sound den Joseh mit dem Album kreiert hat. Eine liebevolle Zusammensetzung jedes einzelnen Stücks der Platte. Texte von Wünschen und Herausforderungen treffen auf Geschichten über seine Vergangenheit. Ja, es kein typisches Folk-Album geworden, das Joseh uns da präsentiert. Der neue Sound steht ihm gut. Ab und an ein wenig eigenwilliger mit fast wildem Indieklang. Daneben immer wieder durchaus radiotauglicher Pop, der Joseh auf seinem Weg sicher gut tut. Ich hoffe er wird seinen Stil beibehalten und denken, so wie ich ihn kennengelernt habe, wird er das auch. Denn sonst wäre er nicht der Joseh, der weiß was er will, der für seine Musik seinen Job gekündigt hat. Er wäre nicht der Joseh, der sein Hab und Gut verkauft, verschenk und gespendet hat, um mit seinem Auto und seiner Gitarre musizierenden durch die Lande zu reisen. Der Joseh, der das machte, was seine Musiker-Eltern ihm damals sicher mitgegeben habe: Die Freude am Musikmachen und das Vertrauen in sich selbst.

Begleitet wird Joseh von: Ulrike Freistedt (Harfe), Lia Anahita  (Background Vocals), Marius Magore (Bass, Gitarre, Cello), Jannis Reiher (Schlagzeug, Percussions).

EPHEMERAL ist am 05.01.2018 über das Hamburger Label SUPERLAUT erschienen, in den bekannten Musikplattformen (AMAZON  /  iTUNES  /  GOOGLE PLAY  /  SPOTIFY) zu finden, und sicher auch bei eurem Plattenhändler des Vertrauens erhältlich.

Joseh on Stage

Live erleben könnt ihr Joseh an folgenden Terminen:

11.01.18 Afterwork, FinoVino Hamburg
24.01.18 Klanglabor goes Barbarabar, Barbarabar Hamburg
27.01.18 Ein Tag Frühling Festival, MS Stubniz Hamburg
01.02.18 Afterwork, FinoVino Hamburg
03.02.18 Tastemaker Festival, Kukuun Hamburg

Aktuelle Infos zu Joseh findet ihr auch immer auf seiner Webseite, der Facebook-Fanpage, Twitter, Youtube oder Instagram

Fotocredits: Titel: Joseh by Minoruphotography, weitere by Thorsten Lindner und Levke Marie Nielson.

Habt ihr bereits neue Musik zum Jahresstart entdeckt, die ihr weiterempfehlen wollt? Schickt eure Tipps gerne an Musicspots per Mail. Vielleicht findet ihr eure Neuentdeckungen dann im Jahresrückblick 2018 wieder.

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